Freitag, 22. August 2008

Markus über „The Dark Knight“



Keine Spoiler!

Was haben wir hier? Das Jahr der Medien-Hysterie? Zuerst wird aus einem akzeptablen zweiten Platz bei der Euro in Österreich und der Schweiz ein Fest gemacht als hätten wir Spanien deklassiert. Dann kommt ein Präsidentschaftskandidat nach Berlin und wird empfangen wie seinerzeit Zlatko vor dem Container. Kürzlich wurde dann aus einem Konflikt der neue „Kalte Krieg“ weil bislang keiner verstanden hat, was „asymetrische Kriegsführung“ eigentlich ist.


Und jetzt kommt ein Film in die Kinos, in dem es um zwei der absurdesten Comic-Figuren geht, die jemals mit einem Bleistift zu Papier gebracht wurden und alle streiten sich, ob dass denn jetzt der beste Film aller Zeiten ist und ob Heath Ledger seinen Kollegen mal eben gezeigt hat, dass wer zuletzt lacht, am besten lacht.

Kinders! Ein guter Freund würde sagen: Behende, behende. Ich sage: Gemach, gemach!

Lasst Euch nicht beirren: Batman ist in dem Film. Joker ist in dem Film. Das vermeintlich Gute. Das vermeintlich Böse. Der daraus entstehende, ewig alte Konflikt wird in eine - betrachtet man es im Comic-Universum - plausible Story gepackt. In der sich Charaktere bewegen, die in sich stimmig sind und durch einen tollen Cast prima gespielt werden. Die Dialoge sind intelligent und bilden im Zusammenspiel mit Bild und der Musik des Deutschen Hans Zimmer eine weitere Erzählebene. Digitale Effekte sind als solche nicht erkennbar. Sie dienen ausschließlich dem Zweck. Soweit zum Handwerk. Alles prima.

Aber es ist doch auch nur ein Popcorn-Film, der seinen Machern und Protagonisten Dank des oben angesprochenen fehlerfreien Handwerks die Möglichkeit eröffnet, an einigen Stellen darüber hinauszugehen. So kann „The Dark Knight” innerhalb seines Genres und seines Anspruchs Maßstäbe setzen, sogar deren Grenzen überschreiten. Vermutlich liegt auch genau darin das Problem. Nicht das Problem des Films, sondern das Problem der Kritiker: Da sich Nolan über Genre-Grenzen hinwegsetzt, in dem er Brutalität, Folter und Verstümmelung in einem Genre zulässt, in dem man sich bislang lediglich daran ergötzt hat, dass Jessica Albas Anzug so eng und Toby Macguire so smart war, bekommt „The Dark Knight“ in seinen Spitzen eine Ernsthaftigkeit, die man nicht erwartet hat und die einen baff im Kinosessel versinken lassen. Aber an denen sich andere, genrespezifische Szenen messen lassen müssen. Nein: Gemessen werden. Und so im Kontrast vielleicht an Kontur verlieren. Was davon ist nun gut und was schlecht?

Ähnliches gilt für Heath Ledgers Performance: Bekanntermaßen hat er sich auf seine Rolle vorbereitet, in dem er sich lange in einem Hotel-Zimmer zurückgezogen hat, ein „Joker“-Tagebuch führte und dort sicherlich Dinge getan hat, die man gar nicht wissen möchte. So akribisch bereiten sich normalerweise ein De Niro oder eine Streep auf ihre Rollen vor. Und nun tut das jemand, der in einem Comic-Film mitspielt? Spinnt der? Hat er dafür einen Oscar verdient? Nicht unbedingt. Anerkennung? Das ist so sicher wie die Faust aufs Auge. Mal nachgedacht: Wird Ledger beim Anlegen seiner Rolle auf einen Oscar geschielt haben? Ich denke nicht. Er wird sich im Klaren darüber gewesen sein, dass es eine Comic-Verfilmung ist. Er wird es als Chance gesehen haben, sich auch innerhalb so einer Rolle weiterzuentwickeln. Eventuell als Experiment. Er wusste ja nicht, dass es seine letzte Rolle sein sollte. Sein Finale Grande.

Anders gesagt: Wer sich eine Pizza bestellt, sollte keinen Hummer erwarten, sondern eine Pizza. Und wenn die schmeckt, hat der Typ von der Pizza-Bude alles richtig gemacht.

So ist es unnötig, beide oben angesprochenen Punkt zu ernst zu nehmen. Es verdirbt einem den Spaß an einem Film, der endlich mal wieder zeigt, dass außerordentliches Popcorn-Kino möglich ist. Ich kann nur hoffen, dass darin der langfristige Verdienst von „The Dark Knight“ liegen wird.

Alles andere ist Hysterie.

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Der G. (Gast) - 23. Aug, 01:32

THX!

Es ist nur Comic.
Nach allen Regeln der Kunst ein guter Comic.

Wenn man Comic verfilmt, ist es Kintopp.
Mit allen Tricks, State of the Art, ist es guter Kintopp.

Wenn hier alle den Erlöser erwarten ... dann ist es einfach gut promoted.
Vorverkauft.

Leatherfeather (Gast) - 23. Aug, 01:52