Mischa über "The Dark Knight"
Verfasst von mischa_verollet am 22. Aug, 08:14
(Wichtig: In dieser Rezension sind KEINE SPOILER!) Er ist nicht der beste Film aller Zeiten. Aber er macht verdammt viel Spaß. Kurz: "The Dark Knight" ist großartige Kino-Unterhaltung, überdurchschnittliches Popcorn-Kino, ein Meilenstein der Superheldenfilme, aber: kein Meisterwerk der Filmgeschichte.
Eins steht fest: Der Hype, der um den Film gemacht wird und unmittelbar mit dem Tode Heath Ledgers zusammenhängt, ist aus zwei Gründen nicht gerechtfertigt. Zum einen, weil der Film nicht annähernd die Klasse und Tragweite eines "Paten" oder "Infernal Affairs" erreicht. Zum anderen, weil der Hype Heath Ledgers Leistung nicht gerecht wird, dessen Joker-Interpretation im Vorfeld so über den grünen Klee gelobt wurde, dass die Fallhöhe unermesslich schien und man sein Schauspielern jetzt leider nicht mehr unvoreingenommen betrachten kann. Dabei ist Heath Ledger als Joker wirklich, wirklich großartig und eine der Höhepunkte des Films. Es sind die kleinen Dinge in der Performance, die einen beeindruckt zurück lassen: das über die Zunge lecken, die immer wieder brechende Stimme, das Zwiespiel von psychopathischem Unterstatement und akut ausbrechender Hysterie. Dieser Joker macht Spaß und widert zugleich an. Wunderbar, mit Sicherheit in den Top 5 der faszinierendsten Bösewichte der Filmgeschichte, wenngleich ich den den FFF recht gebe, wenn sie sagen: ...garantiert nicht jene alles in den Schatten stellende Jahrhundertperformance, die man ihm nach seinen verfrühten Tod jetzt nachsagte - aber dennoch eine würdige letzte Rolle... Überhaupt haben die FFF in ihrer Kritik mit vielem Recht, wenn auch nicht mit ihrer Sterne-Wertung. 3,5 von 5, das ist gelinde gesagt ein Witz und vermutlich der Tatsache geschuldet, dass irgendjemand und nicht nur Malte Welding was Negatives über den Film sagen muss. Aber wie die FFF korrekterweise anmerken, gibt es im Wesentlichen zwei Punkte (sie haben mehr, aber die anderen tun für mich nicht so viel zur Sache), zwei kleine Wermutstropfen, die "nach dem drüber Schlafen" hängengeblieben sind.
"The Dark Knight" fehlt die Neo-Goth-Steampunk-Optik der Burton-Filme, was durchaus erstaunt, da der Film in Chicago gedreht wurde, dessen Architektur nur so vor gothamesken Bauwerken überquillt (Beispiel). Der Film hat insgesamt eine sehr kalte Optik und erinnert vor allem in der Hong Kong-Szene und aufgrund der korrupten Polizisten an das Meisterwerk "Infernal Affairs". Interessanterweise sprudelt der Film vor popkulturellen Bezügen nur so über, die sich aber gut in das vordefinierte Setting einbetten, egal, ob es sich um ein CSI: Miami- oder James Bond-Zitat handelt. Was aber gleichzeitig bedeutet, dass der Kontext des Films nicht mehr ganz so zeitlos ist wie das sonstige Batman-Universum. "The Dark Knight" funktioniert nur im Hier und Jetzt. Ist das gut? Na ja, es ist nicht wirklich schlimm, nur fand ich das Gothic-Setting persönlich schöner.
Ein anderer Wermutstropfen ist Batman selbst. Es fiel mir persönlich schwer, mich mit ihm zu identifizieren, was normalerweise tödlich ist für den Held eines Films. Vergeblich wünscht man sich von Nolans dunklem Ritter daher die comiceigene Leichtigkeit, mit der zum Beispiel in den beiden ersten "X-Men"- und "Spider-Man"-Verfilmungen große Gefühle, Fragen und Taten verhandelt wurden. – Spiegel Online Aber wie Markus sagte: Es ist ein Joker-Film, Batman ist eigentlich nur eine Nebenrolle. Der Joker, sowieso alleiniger Herr seiner multiplen Persönlichkeiten und Biografien, macht seinen eigenen Film. – Spiegel Online "The Dark Knight" wird vielleicht erst in der letzten Viertelstunde zum Batman-Film, er ist der Film, der zeigt, wie Batman zum dunklen im "Dark Knight" wurde (mehr möchte ich nicht verraten). Aber Bruce Wayne lässt einen kalt und verblasst als Charakter ein wenig hinter den grandios gespielten Comissioner Gordon (Gary Oldman), Alfred (Michael Caine) und Lucius Fox (Morgan Freeman). Vom Joker ganz abgesehen, der dem Film seinen Stempel aufdrückt.
Ach ja, einen dritten Kritikpunkt habe ich dennoch, dieser ist allerdings allgemeiner und nicht nur auf "The Dark Knight" beschränkt: Es muss nicht immer alles in der "Matrix-Bullet-Time" gefilmt sein, aber wann dreht man endlich wieder mal einen Film, in dem man in den Nahkampf-Action-Szene mehr erkennt als, äh, garnichts?! Natürlich weiß man vorher, dass Batman gewinnt, aber zumindest mich würde interessieren, wie er es geschafft hat, seinen Gegner zu überwältigen.
Letztendlich haben aber weder diese Kritikpunkte noch irgendwelche anderen meinen Filmspaß getrübt. Wenn auch das ganz große Mitreißende, das völlig Fesselnde, das in den Sitz zurücksinken und einen völlig erschöpft aus dem Kino wanken lassende fehlte, was Filme wie Der Pate aber auch neuere Machwerke wie Oldboy, No country for old men, There will be blood, selbst Der Herr der Ringe: Die Gefährten, ja, sogar Lost (!) auszeichnete – eben Eigenschaften, die einen sehr guten Film von einem Meisterwerk unterscheiden "The Dark Knight" ist einfach ein Actionfilm. Zugleich leidet er auch an den Mängeln vieler zeitgenössischer (Action-)Filme: Sie verstehen nicht, was Größe bedeutet oder der Satz, Kino sei "bigger than life". Sie verwechseln überdimensionierte Inszenierungen mit starken Bildern, ersetzen Rhythmus durch Rasanz und gutes Storytelling durch Überladenheit. (...) "The Dark Knight" will alles sein, und darum ist er zu wenig. Es lässt keine poetische Aura entstehen. – Rüdiger Suchsland ist "The Dark Knight" dennoch jeden Cent seines Eintritts wert, unterhält bestens und dürfte den vorläufigen absoluten Höhepunkt des Superhelden-, ja, vielleicht sogar des Popcorn-Kinos bilden. Er hat zwei, drei grandiose Szenen, die hängen bleiben, über die man noch am nächsten Morgen auf der Fahrt zur Arbeit redet und hat viele kleine liebevolle Details bezüglich des Batman-Universums. Die Dialoge (wir haben ihn im Original gesehen) sind auf den Punkt und bestens choreographiert. Der Film ist nicht zu lang, er hält seinen Spannungsbogen. Und das Wichtigste: Weder Heath Ledger noch der Film an sich haben meine persönlichen Erwartungen enttäuscht. Meine Sterne-Wertung nach einer Nacht drüber schlafen: 4,8 von 5 Punkten. So darf Entertainment sein.
Demnächst hier im sparrenblog: Markus über "The Dark Knight"
Eins steht fest: Der Hype, der um den Film gemacht wird und unmittelbar mit dem Tode Heath Ledgers zusammenhängt, ist aus zwei Gründen nicht gerechtfertigt. Zum einen, weil der Film nicht annähernd die Klasse und Tragweite eines "Paten" oder "Infernal Affairs" erreicht. Zum anderen, weil der Hype Heath Ledgers Leistung nicht gerecht wird, dessen Joker-Interpretation im Vorfeld so über den grünen Klee gelobt wurde, dass die Fallhöhe unermesslich schien und man sein Schauspielern jetzt leider nicht mehr unvoreingenommen betrachten kann. Dabei ist Heath Ledger als Joker wirklich, wirklich großartig und eine der Höhepunkte des Films. Es sind die kleinen Dinge in der Performance, die einen beeindruckt zurück lassen: das über die Zunge lecken, die immer wieder brechende Stimme, das Zwiespiel von psychopathischem Unterstatement und akut ausbrechender Hysterie. Dieser Joker macht Spaß und widert zugleich an. Wunderbar, mit Sicherheit in den Top 5 der faszinierendsten Bösewichte der Filmgeschichte, wenngleich ich den den FFF recht gebe, wenn sie sagen: ...garantiert nicht jene alles in den Schatten stellende Jahrhundertperformance, die man ihm nach seinen verfrühten Tod jetzt nachsagte - aber dennoch eine würdige letzte Rolle... Überhaupt haben die FFF in ihrer Kritik mit vielem Recht, wenn auch nicht mit ihrer Sterne-Wertung. 3,5 von 5, das ist gelinde gesagt ein Witz und vermutlich der Tatsache geschuldet, dass irgendjemand und nicht nur Malte Welding was Negatives über den Film sagen muss. Aber wie die FFF korrekterweise anmerken, gibt es im Wesentlichen zwei Punkte (sie haben mehr, aber die anderen tun für mich nicht so viel zur Sache), zwei kleine Wermutstropfen, die "nach dem drüber Schlafen" hängengeblieben sind.
"The Dark Knight" fehlt die Neo-Goth-Steampunk-Optik der Burton-Filme, was durchaus erstaunt, da der Film in Chicago gedreht wurde, dessen Architektur nur so vor gothamesken Bauwerken überquillt (Beispiel). Der Film hat insgesamt eine sehr kalte Optik und erinnert vor allem in der Hong Kong-Szene und aufgrund der korrupten Polizisten an das Meisterwerk "Infernal Affairs". Interessanterweise sprudelt der Film vor popkulturellen Bezügen nur so über, die sich aber gut in das vordefinierte Setting einbetten, egal, ob es sich um ein CSI: Miami- oder James Bond-Zitat handelt. Was aber gleichzeitig bedeutet, dass der Kontext des Films nicht mehr ganz so zeitlos ist wie das sonstige Batman-Universum. "The Dark Knight" funktioniert nur im Hier und Jetzt. Ist das gut? Na ja, es ist nicht wirklich schlimm, nur fand ich das Gothic-Setting persönlich schöner.
Ein anderer Wermutstropfen ist Batman selbst. Es fiel mir persönlich schwer, mich mit ihm zu identifizieren, was normalerweise tödlich ist für den Held eines Films. Vergeblich wünscht man sich von Nolans dunklem Ritter daher die comiceigene Leichtigkeit, mit der zum Beispiel in den beiden ersten "X-Men"- und "Spider-Man"-Verfilmungen große Gefühle, Fragen und Taten verhandelt wurden. – Spiegel Online Aber wie Markus sagte: Es ist ein Joker-Film, Batman ist eigentlich nur eine Nebenrolle. Der Joker, sowieso alleiniger Herr seiner multiplen Persönlichkeiten und Biografien, macht seinen eigenen Film. – Spiegel Online "The Dark Knight" wird vielleicht erst in der letzten Viertelstunde zum Batman-Film, er ist der Film, der zeigt, wie Batman zum dunklen im "Dark Knight" wurde (mehr möchte ich nicht verraten). Aber Bruce Wayne lässt einen kalt und verblasst als Charakter ein wenig hinter den grandios gespielten Comissioner Gordon (Gary Oldman), Alfred (Michael Caine) und Lucius Fox (Morgan Freeman). Vom Joker ganz abgesehen, der dem Film seinen Stempel aufdrückt.
Ach ja, einen dritten Kritikpunkt habe ich dennoch, dieser ist allerdings allgemeiner und nicht nur auf "The Dark Knight" beschränkt: Es muss nicht immer alles in der "Matrix-Bullet-Time" gefilmt sein, aber wann dreht man endlich wieder mal einen Film, in dem man in den Nahkampf-Action-Szene mehr erkennt als, äh, garnichts?! Natürlich weiß man vorher, dass Batman gewinnt, aber zumindest mich würde interessieren, wie er es geschafft hat, seinen Gegner zu überwältigen.
Letztendlich haben aber weder diese Kritikpunkte noch irgendwelche anderen meinen Filmspaß getrübt. Wenn auch das ganz große Mitreißende, das völlig Fesselnde, das in den Sitz zurücksinken und einen völlig erschöpft aus dem Kino wanken lassende fehlte, was Filme wie Der Pate aber auch neuere Machwerke wie Oldboy, No country for old men, There will be blood, selbst Der Herr der Ringe: Die Gefährten, ja, sogar Lost (!) auszeichnete – eben Eigenschaften, die einen sehr guten Film von einem Meisterwerk unterscheiden "The Dark Knight" ist einfach ein Actionfilm. Zugleich leidet er auch an den Mängeln vieler zeitgenössischer (Action-)Filme: Sie verstehen nicht, was Größe bedeutet oder der Satz, Kino sei "bigger than life". Sie verwechseln überdimensionierte Inszenierungen mit starken Bildern, ersetzen Rhythmus durch Rasanz und gutes Storytelling durch Überladenheit. (...) "The Dark Knight" will alles sein, und darum ist er zu wenig. Es lässt keine poetische Aura entstehen. – Rüdiger Suchsland ist "The Dark Knight" dennoch jeden Cent seines Eintritts wert, unterhält bestens und dürfte den vorläufigen absoluten Höhepunkt des Superhelden-, ja, vielleicht sogar des Popcorn-Kinos bilden. Er hat zwei, drei grandiose Szenen, die hängen bleiben, über die man noch am nächsten Morgen auf der Fahrt zur Arbeit redet und hat viele kleine liebevolle Details bezüglich des Batman-Universums. Die Dialoge (wir haben ihn im Original gesehen) sind auf den Punkt und bestens choreographiert. Der Film ist nicht zu lang, er hält seinen Spannungsbogen. Und das Wichtigste: Weder Heath Ledger noch der Film an sich haben meine persönlichen Erwartungen enttäuscht. Meine Sterne-Wertung nach einer Nacht drüber schlafen: 4,8 von 5 Punkten. So darf Entertainment sein.
Demnächst hier im sparrenblog: Markus über "The Dark Knight"
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