„Where do we start?” - Batman-Woche im Sparrenblog


Man muss ja nicht jeden Hype mitmachen. Den aber schon. Am Donnerstag, den 21. August startet offiziell der zweite Teil des Nolan-Reboots der Batman-Saga: The Dark Knight. Der Film hat in Amerika sensationell abgeräumt und auch deshalb können wir es kaum erwarten. Deshalb gibt es diese Woche unverschämt viel Batman-Content.

silverlighsaber hat ein schönes Video zusammengestellt, das eine Frage aufwirft, die ich mir stelle, seit ich den ersten längeren „The Dark Knight“-Trailer gesehen habe:

Wer ist der bessere Joker?

Jack Nicholson vom Tim Burton-„Batman” aus 1989 oder Heath Ledger aus dem „The Dark Knight“ von Christopher Nolan? (Wer jetzt fragt: „Und was ist mit Cesar Romero?” dem möchte ich sagen: Wieso erlaubt Dir Papa so spät noch am Computer zu sitzen?)



Ich habe mir das Video von silverlightsaber genau angesehen und bin zu dem Schluss gekommen: Jede Zeit hat den Joker, den sie verträgt. (1966 muss ein sehr trauriges Jahr gewesen sein.)

Als Burtons „Batman“ 1989 in die Kinos kam, war der Film das unübertrumpfbare Non-Plus-Ultra der Superhelden-Filme. An wirklich ernstzunehmenden Comic-Verfilmungen gab es eigentlich nur die Superman-Reihe mit Christopher Reeve. Und die war da schon fast 10 Jahre alt. Geprägt von einem Look, der glattgeleckt daherkam. Zudem gab es eine klare Polarisierung zwischen Böse und Gut. Auf der einen Seite der Held. Auf der anderen der Schurke. Exakt so, wie es in jener Zeit in den Comics war.

Tim Burton schuf dann aus diesen bunten Pop-Corn-Einerlei der 70er- und 80er-Jahre-Comics erstmals eine dunkle, ernstzunehmende Welt in der das Böse böse war und das Gute nicht ganz so böse aber genau so zerrüttet war. Ein Gothman, dass es so noch nie gegeben hatte und an Dystopie wohl zu der Zeit nur mit Blade Runner oder Brazil konkurrieren musste. Ein Abgesang auf ein buntes, verlogenes Jahrzehnt. Und Jack Nicholson verlieh in allem dem „Joker“ etwas so damönisches, dass der ADHS-gestörte Kasper-Joker mit den lustig grünen Haaren und den witzigen Todesspielchen, den wir aus den Comics unserer Kindheit kannten, schnell vergessen war. Er war tödlich. Er war böse.

Aber so richtig Angst hat er uns dann doch nicht gemacht. Denn trotz aller kosmetischen Korrekturen durch Burton: Es blieb ein Comic!

Der neue Realismus in den Comics der 1990er

Dann kamen die 90er und alles wurde anders in der Comic-Landschaft. Autoren-Comics und Graphic Novels bahnten sich ihren Weg. Die bunte Welt übermoralisierender Superhelden tauchte ab in das düstere Fahrwasser der Selbstreflektion, ja in die Kunst und so veränderte sich nicht nur der Look. Auch die Geschichte wurden ernsthafter. Erwachsener. Erstmals gab es in Comics so etwas wie einen Subkontext. (Wer mehr darüber lesen will, dem empfehle ich: Comics neu erfinden von Scott McCloud.)

Erstmals wurde die Frage gestellt, wie es eine so durchtriebene Welt geben kann, wenn es doch unbesiegbare, unsterbliche Helden gab, die dagegen aufbegehrten? Oder waren sie gar nicht so unbesiegbar, wie sie uns glauben machen wollten und genau so sterblich wie jeder andere? Hatten sie dieselben Zweifel? Dieselben Findungs-Prozesse zu durchlaufen wie wir? Nur auf einer „Super-Ebene”?

Bald schimmerte durch, dass gar nicht die Helden die Starken waren sondern die Bösen. Weil sie diese Zweifel nicht hegten. Während unsere Helden sich in ihren Höhlen und Festungen verbarrikadierten und mit ihrem Schicksal haderten, machten die einfach weiter mit ihren Morden und Verstümmelungen. Badness as usual.

Und so wurde aus dem „Kinderschreck“ Joker - wir erinnern uns an die Szene aus Batman, in der der Joker (Nicholson) eine Pistole abdrückt und nur ein Fähnchen herausspringt - ein echter Psychopath mit ernsthaften Problemen, dem allzuoft sein Widerpart fehlte. Wer „The Killing Joke“ oder die Referenz „Die Rückkehr des dunklen Ritters“ von Frank Miller gelesen hat, wird mir Recht geben.

So war es keine Frage, dass es dem Team um Nolan nicht darum gehen konnte, auf Jack Nicholsons Glanzrolle zu starren. Sie mussten den Joker in Comcis suchen und finden, die es zu Zeiten von Tim Burtons Film noch gar nicht gab. (Vom „Dunklen Ritter” mal abgesehen. Das ist von 1985). Der Joker, den Ledger spielen musste, musste dieser Entwicklung Rechnung tragen. Er war kein Freak mehr, der irgendwie geduldet, ja nahezu bemitleided wurde.

Er war schlicht ein kranker Psychopath!

Ich freue mich sehr, ihn kommenden Donnerstag genau so erleben zu dürfen.

Wer sich uns anschließen möchte: Mischa und ich werden uns den Film im englischen Original im Cinestar anschauen. Genauere Termine gibt es nach Aussage der Mitarbeiter dort am kommenden Montag.

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