Dienstag, 5. August 2008

Status Symbole I


Brillenträger aus Leidenschaft, das bin ich, mit einer solchen Bezeichnung muss ich gemeint sein. Vor nicht mehr zählbaren Jahren habe ich eine Unsumme Geld für mein derzeitiges, zeitloses Brillengestell ausgegeben.

Das Glas ist mittlerweile nicht mehr so ganz unzerkratzt, ich erwäge inzwischen eine neue Bestellung von Gläsern, sollte mir jemand einen guten Optiker in Bielefeld empfehlen. Aber auch wenn man mir während meiner Suche nach dem perfekten Ophthalmologen wieder einmal zur Anschaffung von Kontaktlinsen rät, werde ich hart bleiben, hart, wie jahrhundertelang unentdeckt bleibend wollendes Sparrenburgs-Gewölb.

Das Gestell auf der Nase macht nämlich sehr viel aus. Setze ich es auf, bin ich sofort drei Mal schlauer als ohne es. Unsicherheit über zum Beispiel das Partizip Präsens kaschiert die überbrückende Brille elegant. Man kann sie beinahe unbemerkt und doch mit Signalwirkung wieder den Nasenflügel entlang nach oben schieben (und bevorzuge dabei den Griff mit Daumen und kleinem Finger an den Außenseiten dazu), und plötzlich ist es wieder vorhanden, das Partizip: Brillierend. Ohne auch nur einen bemerkenswerten Satz gesagt zu haben.

Ganz ab von der Wirkung der Brille ist es mir aber ein Gräuel, auch nur daran zu denken, mit den Fingern in den Augen herumzupuhlen und Linsen hinein oder heraus zu befördern. Eine Bekannte meinte unlängst, sie wäre sich des Abends nicht sicher gewesen, ob sie ihre Kontaktlinsen „noch drinnen“ gehabt hätte, prüfte ihre Augen eine geschlagene Stunde lang ob ihrer Inhalte. Das kann mit dem Sichtgestell kaum passieren.

Wie gesagt, ich mag meine Brille. Der Markenname Calvin Klein drängt sich beim Tragen und dem Gegenüber glücklicherweise an keiner Stelle auf. Sie besitzt weder diese merkwürdigen Nasenpolster, noch die Bügel, die in der Regel für Halt hinter den Ohren sorgen.

Einen großen Nachteil bringt sie allerdings mit sich. Ich schreibe diese Zeilen nämlich aus gutem Grund, als Anregung für Brillendesigner: Kommt es vor, dass ich sie ablege, mir darauf zum Beispiel ein anderes Hemd anziehe, unter die Dusche gehe or whatever, passiert es mir desöfteren, dass ich anschließend nicht mehr weiß, wo ich sie gelassen habe.

Man beachte, wie heikel sich diese Situation gibt: Ich bin meiner Sehkraft graduell beraubt und muss dann auch noch nach meiner Sehhilfe suchen. Was ich in derlei Momenten bereits alles in meinem Zimmer umgeworfen habe, möchte ich an dieser Stelle gar nicht schildern.

Ich bitte die Brillenindustrie daher schnellstmöglichst um die Möglichkeit, seine Brille – wie man es mit dem verlorenen Handy bisweilen tut – anrufen zu können.

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Invalido (anonym) - 5. Aug, 15:07

Wie wäre es vielleicht mit so einem Pipser, den man auch an Schlüssel anbringen kann und auf Knopfdruck aktivieren kann.
Aber es gibt auch schon Sonnenbrillen mit integrierten mp3-playern, warum nicht auch für normal -einfach auf volle Lautstärke und man findet die Brille nach ablegen immer wieder - ist aber nur für kurze Zeiträume anwendbar (nicht über Nacht).
Falls, diese Ratschläge nicht weiterhelfen, für weitere Informationen fragen sie ihren Optiker oder Augenarzt

@irsign (anonym) - 5. Aug, 16:44

Wenn ich nicht weiß, ob ich meine Linsen noch drine habe, versuche ich immer etwas in der Entfernung zu lesen. Klappt das nicht, weiß ich: Sie sind draußen.
Und wie kann man sich bitteschön nicht gerne in den Augen rumpulen? Noch nie hat jemand so schnell das Einsetzen der Linsen gelernt wie ich damals. 5mal rein- und raussetzen in 2 Minuten und weg war ich.
Das 'ich geh in eine Kenipe rein und draußen regnet es, deshalb sehe ich jetzt nichts mehr' vermisse ich jedenfals nicht wirklich.;)
Aber in einem hast du Recht, irgendwie sieht man mit Brille immer so schlau aus. Und mit Brille kann man immer die typische Harald-Schmit-Bewegung machen: Mit Daumen und Ringfinger außen (links und rechts) das Gestell anpacken und minimal hochschieben.

Rouven - 5. Aug, 16:44

Ich glaube, ich habe eine Fehlbildung: Den Ringfinger kann ich dafür nicht verwenden. Beim bloßen Versuch erleide ich beinahe Krämpfe in der Hand.
matze (anonym) - 6. Aug, 11:46

optik fillies am betheleck

seit Jahren treu ergeben

und wenn man die Brille sucht ist sie häufig nur in den Haaren

Eddi (anonym) - 8. Aug, 21:31

Handy an Brille

Und was soll die Brille dann tun, wenn Sie angerufen wird? Klingeln? Ein interessantes Konzept. Vielleicht kann man das ja auch einfacher habe. Z. B. wenn Du sie eine Weile nicht auf dem Kopf trägst, könnte Sie ja automatisch einen Ton von sich geben. Vielleicht erst ein leises Summen, das dann zum Ohrenbetäubenden Kreischen ansteigt... Dann wäre auch das Problem gelöst, das Du sie irgendwo hast liegenlassen, wo kein Handyempfang ist....

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