Da war mal was...in Hohenschönhausen
Verfasst von mischa_verollet am 23. Jul, 18:30

Mein ehemaliger Arbeitskollege Stefan berichtete mir einmal von seinem Besuch in Hohenschönhausen.
Ganz besonders wühlte mich auf zu erfahren, dass viele der Stasi-Folterknechte nicht nur frei und unbestraft herumlaufen, sondern teilweise gutdotierte Arbeitsstellen haben, z.B. in Unternehmensberatungen, da sie sich durch ihre während ihrer Stasi-Verhör-Mitarbeit erworbenen besonderen psychologischen Fähigkeiten für solch einen Job besonders eigneten.
In meinem Roman Lass uns doch Feinde sein greife ich diesen dunklen Abschnitt der deutschen Geschichte auf – der Hauptprotagonist Julian erzählt von Walter: „Walter saß doch in der DDR ein paar Jahre in Hohenschönhausen, irgendein Nachbar hat ihn damals verpfiffen. Ist dort wohl ziemlich derbe misshandelt worden, Folter und so. Na ja, auf jeden Fall kam er ja nach der
Wende frei und arbeitete seitdem als Kurierfahrer. Vor nem halben Jahr musste er dann inner Unternehmensberatung was vorbeibringen. Und wen trifft er da? Den Stasibeamten, der ihn gefoltert hat!“ – Aus Lass uns doch Feinde sein Man erfährt, dass Walter durchdrehte und im Affekt Selbstjustiz übte. An den Folgen seiner Inhaftierung in Hohenschönhausen hat er Zeit seines Lebens zu knabbern.
Es gibt viele Menschen, die sich die DDR zurückwünschen. Es gibt viele Menschen, die meinen, dass das mit der DDR halb so schlimm gewesen wäre. Es gibt einige Leser, die mir vorgeworfen haben, mit diesem Teil meines Buches ihr Heimatland verunglimpft zu haben. Andere behaupteten, dass Walters Schicksal doch an den Haaren herbeigezogen sein müsste.
Deshalb ein großes DANKE an meinen Illustrator Flix für die neuste Folge seiner Reihe "Da war mal was", die wahre Geschichten aufgreift und als Cartoon umsetzt. Unbedingt lesen.
Angesichts erwiesener Gräueltaten und Verbrechen an der Menschlichkeit ist es völlig unverständlich, dass viele der Täter frei herum laufen – und ihre volksverhetzende Scheiße verbreiten dürfen. Und es ist ein Schlag ins Gesicht der Opfer, dass sowas [1] [2] in Deutschland ungestraft geschehen darf.
Ich wünsche mir einen Simon Wiesenthal für die DDR-Verbrechen und einen Paragraphen für deren Leugner.
12 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
vert (anonym) - 25. Jul, 02:51
mal vorneweg: die ddr war ein ziemlicher scheißstaat, der selbst mir persönlich bekannten überzeugten westdeutschen kommunisten (die zur finalen erkenntniserlangung sogar dort urlaub gamcht haben) die tränen in die augen getieben hat. es war und ist schon ziemlich unfassbar, wie schlecht dieser staat mit seinen bürgern umgegangen ist.
allerdings bin ich nicht einverstanden mit einer auch nur ansatzweisen parallele zwischen der beschäftigung mit dem millionenfachen mord im holocaust, der erst durch die gewaltsame befreiung durch die allierten beendet werden konnte und der aufarbeitung von ddr-verbrechen, wie du es im letzten satz anklingen lässt. mal abgesehen davon, dass du damit menschen in die hände spielst, die du nicht auf deinen veranstaltungen sehen wolltest: es spielt einer relativierung der verbrechen in die arme, die du - wie ich doch vermute - so auch nicht willst.
allerdings bin ich nicht einverstanden mit einer auch nur ansatzweisen parallele zwischen der beschäftigung mit dem millionenfachen mord im holocaust, der erst durch die gewaltsame befreiung durch die allierten beendet werden konnte und der aufarbeitung von ddr-verbrechen, wie du es im letzten satz anklingen lässt. mal abgesehen davon, dass du damit menschen in die hände spielst, die du nicht auf deinen veranstaltungen sehen wolltest: es spielt einer relativierung der verbrechen in die arme, die du - wie ich doch vermute - so auch nicht willst.
mischa_verollet - 25. Jul, 09:06
ja, ja, mit so einer antwort habe ich schon gerechnet
der einzige der hier ansatzweise parallelen zwischen diesen zeiten zieht bist du. was ich mir wünsche ist eine ähnlich gründliche aufarbeitung dieses dunklen kapitels wie man es nun mal mit recht mit der zeit des nationalsozialismus macht, egal, ob in der schule, in der öffentlichkeit usw. das kann man sich wünschen, ohne gleichzeitig die ns-zeit zu verharmlosen. punkt.
[EDIT: ton klingt jetzt härter als gewollt. aber diese immergleichen "totschlag-argumente" langweilen.]
[EDIT: ton klingt jetzt härter als gewollt. aber diese immergleichen "totschlag-argumente" langweilen.]
markus.freise - 25. Jul, 09:36
Ein Unrechtsstaat ist ein Unrechtsstaat. Menschen unschuldig einzusperren verstößt gegen die Menschenrechte. Dazu muss man sie nicht erst töten. Das alleinige einsperren genügt.
Das muss man anprangern und darf die Schuldigen nicht davon kommen lassen. Sonst fangen die nämlichen irgendwann an zu morden.
Und um die Parallelen wieder geradezuziehen: Neville Chamberlain würde mir im Rückblick sicherlich Recht geben.
Das muss man anprangern und darf die Schuldigen nicht davon kommen lassen. Sonst fangen die nämlichen irgendwann an zu morden.
Und um die Parallelen wieder geradezuziehen: Neville Chamberlain würde mir im Rückblick sicherlich Recht geben.
@irsign (anonym) - 25. Jul, 12:26
Die Aufarbeitung hat man sich doch selbst verbaut, weil man nichts besseres zu tun hatte, als die beiden Staaten möglichst schnell zusammenzubringen, ohne Rücksicht auf Verluste und ohne Chance auf Aufarbeitung für die Menschen im Osten. Statt den Menschen in der DDR dabei zu unterstützen, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten und ihnen die Gelegenheit zu geben die entsprechenden Leute zu bestrafen,... ach abendfüllendes Thema....
Jedenfalls hat man jetzt den Salat, angefangen bei großer Arbeitslosigkeit und fehlenden Strukturen und endend bei Menschen, die die Mauer wieder haben wollen und Menschen die leider ungestraft für große Fehler davon gekommen sind. Man sollte vielleicht irgendwann mal nach den Ursachen zu suchen. Und das geht viel tiefer.
Jedenfalls hat man jetzt den Salat, angefangen bei großer Arbeitslosigkeit und fehlenden Strukturen und endend bei Menschen, die die Mauer wieder haben wollen und Menschen die leider ungestraft für große Fehler davon gekommen sind. Man sollte vielleicht irgendwann mal nach den Ursachen zu suchen. Und das geht viel tiefer.
mischa_verollet - 25. Jul, 22:54
@airsign: da ist was dran, aus der perspektive habe ich es noch nie gesehen. ist aber maximal ein teilaspekt der problematik.
vert (anonym) - 25. Jul, 16:37
jaja...?
in aller kürze (und um hier niemanden zu langweilen): nicht ich habe mit großem pathos simon wiesenthal durch die manege getrieben.
mischa_verollet - 25. Jul, 22:56
ja und? wo ist das problem? ich wünsche mir einfach eine ähnliche aufarbeitung. das hat weder etwas mit relativierung noch parallelen ziehen zu tun.
die vergleiche hast du dazugesponnen :)
die vergleiche hast du dazugesponnen :)
Eisbär (anonym) - 28. Jul, 14:51
Letzter Eintrag 23ster
Sommerlethargiepause oder was im Sparrenblock?
(Das Wetter geht übrigens immer.)
(Das Wetter geht übrigens immer.)
mischa_verollet - 28. Jul, 16:57
hach ja... von allem ein bisschen... viel zu tun, viel zu heiß usw.
Eisbär (anonym) - 29. Jul, 00:03
Sind wir etwa Mädchen?
mmc (anonym) - 29. Jul, 11:12
na denn
http://de.news.yahoo.com/dpa2/20080726/tsc-ddr-welche-ddr-schler-wissen-zu-weni-c139448.html
was mich meisten ansprach war die tatsächliche aussage:
"wer wenig über die DDR weiss, beurteilt sie meistens positiver" oder so.
wenn man sich das mal genau überlegt ist mit dem dritten reich auch so. und das ganz große Phänomen ist, dass diese Beurteilungen immer nur positiver ausfallen, wenn es auf Kriege, Konflikte, Unterdrückung hingeht.
Vielleicht wird Krieg ja gar nicht als etwas so schlimmes angesehen, weil die Meinung über Krieg bei den BernddasBrotKiddies wahrscheinlich so ist:
Krieg, DEFINITION lt AMERIKANISCHENFILM (Erziehungsmittel der Neuzeit):
Einer-ist-böse-der-andere-ist-gut
das Gute gewinnt: ERGO:
Krieg bzw Unterdrückung:
Gar nicht so schlimm.
Wenn man dies auf andere Gebiete adapiert (Achtung: jetzt kommt das Ding mit dem Stachel):
Fussballvereine findet man pauschal doch auch nicht gut.
Arminia wird von Unwissenden garantiert nicht als: gar nicht so schlecht beschrieben.
Böse, fiese Welt
was mich meisten ansprach war die tatsächliche aussage:
"wer wenig über die DDR weiss, beurteilt sie meistens positiver" oder so.
wenn man sich das mal genau überlegt ist mit dem dritten reich auch so. und das ganz große Phänomen ist, dass diese Beurteilungen immer nur positiver ausfallen, wenn es auf Kriege, Konflikte, Unterdrückung hingeht.
Vielleicht wird Krieg ja gar nicht als etwas so schlimmes angesehen, weil die Meinung über Krieg bei den BernddasBrotKiddies wahrscheinlich so ist:
Krieg, DEFINITION lt AMERIKANISCHENFILM (Erziehungsmittel der Neuzeit):
Einer-ist-böse-der-andere-ist-gut
das Gute gewinnt: ERGO:
Krieg bzw Unterdrückung:
Gar nicht so schlimm.
Wenn man dies auf andere Gebiete adapiert (Achtung: jetzt kommt das Ding mit dem Stachel):
Fussballvereine findet man pauschal doch auch nicht gut.
Arminia wird von Unwissenden garantiert nicht als: gar nicht so schlecht beschrieben.
Böse, fiese Welt


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