Dienstag, 22. Juli 2008

D'dorf, D'dorf


Nur eine liebe Freundin wollte ich besuchen. Nur das, und nebenbei den Düsseldorfer Slam kennenlernen und teilnehmen. Drei Tage bis einschließlich Montag hatte ich mir dafür frei gehalten, und so machte ich mich am Samstagmorgen auf den Weg zum Bahnhof, traf um die Ecke noch ein befreundetes Pärchen, das ebenfalls auf dem Weg dorthin war.

„Wo geht’s denn bei euch hin?“ fragte ich daher und erhielt die Antwort: „Nach Dortmund.“

Während des weiteren Gesprächs kam zum Vorschein, dass ich bei meiner Reiseplanung völlig übersehen hatte, dass in der Ruhrgebietsmetropole die Love Parade stattfand. Und wollte man nach Düsseldorf, kam man nur schwer mit der Deutschen Bahn an Dortmund vorbei. Das Ende vom Lied: Aus den geplanten 2 Stunden 15 Minuten Fahrzeit wurden 3 Stunden und 50 Minuten. Ersatzzugs-Hopping und die Hölle auf einem Quadratmeter Platz für jeden zwischen Hamm und Dortmund (siehe mit meinem Handy kurz dokumentiert auf YouTube). Zitat: „Ey, Jackie, hast du nicht Platzangst?“ – „Ey, nee, bin betrunken.“

Immerhin, nach der Tortur in der Landeshauptstadt angekommen, wurde ich dort sogleich mit sonnigem Wetter belohnt, und wir zelebrierten das Wiedersehen mit einem Coffee to go, aus der Altstadt mitgenommen, direkt am Rhein. Es ist ein wenig schade, wenn man liebe Leute wie die frühere Mitbewohnerin derart selten, vielleicht einmal pro Jahr, sieht und ich werde jedes Mal sentimental darob, schäme mich auch, es nie häufiger einrichten zu können. Aber ich gelobe Besserung. Ein guter Vorsatz, wie ich finde. Es ist zwar gut, ein wenig Geld zu besitzen und sich darum zu kümmern, doch die Freunde und damit die Lebensqualität dürfen einfach nicht zu kurz kommen.

Meine frühere Mitbewohnerin hat bei jedem Besuch viele Geschichten zu erzählen, Stories, die es wert wären, in Erzählform gegossen zu werden. So saßen wir in ihrem Elternhaus in Hubbelrath, wenige Meter von Charity-Ladies und deren augespritzten Töchtern entfernt wohnhaft, aßen Chili und ich hörte mir von ihrem neuen Geldverdienst an. Das Leben in einem Casino ist für meine Wenigkeit noch mythisch umflort, ich kenne es lediglich aus Scorsese- und James Bond-Filmen. Alles, was in diesen Häusern geschieht, bildet in meiner Vorstellung eine schwer zu durchschauende Subkultur.
Die Freundin bedient nunmehr als Croupier oder gibt Karten am Blackjack-Tisch und der berichtete Umgang dort verscheuchte meine Illusion von gegenseitigem stillen und respektvollem Verhalten.
„Meine Stammgäste müssen alle völlige Masochisten sein“, bekam ich zu hören. „Wie meinste das?“ wollte ich wissen. Darauf sie: „Na, weil ich die alle ziemlich despotisch angehe. Neulich meinte ich zu einem: „Na, für das Geld hätteste dich jetzt aber auch schon mal ordentlich auspeitschen lassen können, wa?“ Aber gesagt hat der nix, der kommt immer wieder.“

Filmreif.

Nun ja. Nach zahlreichen, tatsächlich gedrehten Filmen besuchten wir die Poesieschlacht im zakk, der insgesamt recht enttäuschend verlief. Keine guten Beiträge gab es zu hören und ich entschuldigte mich sogar bei der Begleitung, dass dies hier jetzt kein typisches Beispiel für das Phänomen Slam war. Mir wurde aber anschließend versichert, dass der Abend auch recht ungewöhnlich für die Düsseldorfer Reihe verlaufen war, zumal Semesterferien und daher wenig Besuch anwesend war.
Hier wurde mir auch deutlich bewusst, wie vorteilhaft und demokratisch es ist, wenn man wie im Bunker dem Publikum durch Applaus das Zepter in die Hand gibt und nicht wie dort einer fünfköpfigen Zufallsjury, deren Geschmack plötzlich die Bewertung bestimmt. Meine „Wiese“ konnte in der Vorrunde die - mit – meisten Punkte ernten, doch im Halbfinale brachte mich die „Nummer“ nicht weiter. Die Reaktionen aus dem Gesamtpublikum verrieten mir deutlich höheren Zuspruch. Aber man kann nicht alles haben, ich probiere es dort mit Sicherheit erneut.

So wünschte sich nicht nur der wunderbare Mitmoderator Markim Pause mehr Texte von mir zu hören. Das kann er haben.

Die Rückfahrt verlief ohne Zwischenfälle.

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mischa_verollet - 22. Jul, 09:01

Ach ja, das Zakk...

Sonst ein sehr schöner Slam, schade, dass es Sonntag so gelaufen ist. Fuhr dort damals meinen ersten Sieg gegen Sebastian 23 ein. Schön war's.

vert (Gast) - 23. Jul, 03:31

ohgott. ich habe letztes jahr vergessen, dass in essen loveparade war. und hatte den letzten zug genommen. daran möchte ich mich auch nur sehr ungern erinnern und bin froh, dass es davon keine aufnahmen gibt. das war einfach außerhalb meines vorstellungsvermögens.