Jenson (Gast) - 25. Jun, 18:24

Ach noch was: Das ist eine EUROPAmeisterschaft. Warum sieht man Niemanden mit einer EU-Flagge? Die symbolisiert doch noch mehr Frieden, Einheit, Gerechtigkeit und Toleranz als die schwarz-rot-goldene Flagge! Schade :(

mischa_verollet - 25. Jun, 18:41

Meinst du? Ich sage nur: Ireland votes NO ;)
Jenson (Gast) - 26. Jun, 00:25

IHR habt gewonnen! ;)

„...Mit der deutschen Fahne hat nämlich NIEMAND Schindluder getrieben. Schindluder wurde mit den Farben Schwarz Rot Weiß getrieben...“

Ich weiß die Relation passt überhaupt nicht, aber unter welcher Fahne kämpfen denn bitte heutzutage deutsche Soldaten in Afghanistan?

„...den preußischen Farben...“

Und genau in diese prähistorische Zeit gelangen wir wieder, wenn nicht endlich die Mehrheit der Gesellschaft einsieht, dass Nationalismus niemandem nützt. Nationalismus und Religion sind für 90% aller Kriege im 20. Jahrhundert verantwortlich. Und werden es auch im 21. Jahundert sein. Das Zugehörigkeitsgefühl zu einzelnen Nationalstaaten kann ich einfach nicht nachvollziehen.

Wir können ja wieder ein Flottenwettrüsten einführen und kleine Kinder in Matrosen Anzügen stehen fahnenschwenkend Spalier. Das ist genau wie die EM auch nur ein „sportlicher“ Wettkampf unter den Nationen.

Ich fand es eben auf der Alm allerdings sehr beruhigend, dass keiner mitgesungen hat, als eine kleine Gruppe von 5 Leute „Hier regiert schwarz-rot-gold“ angestimmt hat.

„...es ist doch einfach menschlich, dass man sich mit seinem Land identifiziert, gerade wenn es um Fußball geht....“ „....habe ich mich entschieden, von den drei Ländern die mir aufgrund meiner Herkunft zur Verfügung stehen...“

Nein, ist es nicht! Warum, erkläre es mir bitte. Du kannst doch auch für eine andere Mannschaft sein, wenn sie schönen Fußball spielt.

„...Im Übrigen ist das doch auch kein urdeutsches Phänomen, sondern in anderen Ländern sogar noch ausgeprägter, frag mal meine französischen Verwandten, dort wird Nationalismus noch groß geschrieben und hat nix mehr mit harmlosen Party-Patriotismus zu tun...“

Egal wo und wie - ich lehne Patriotismus jeglicher Form ab! Die Rechtfertigung „das machen Andere auch“ kann man doch nicht wirklich zur Debatte stellen. Was ich nicht ablehne ist, wenn man sich zum Fußball trifft und sein Team anfeuert. Von mir aus auch die Deutsche Nationalmannschaft. Die übrigens besonders 2006 einen wirklich schönen Ball gespielt hat und viele gute Spieler in ihren Reihen hat. Brot und Spiele fürs Volk!

Das Nein der Iren (und auch der Franzosen und Niederländer) ist leider auch kein gutes Zeichen, dass der Nationalismus und die Europafeindlichkeit in den nächsten Jahren überwunden werden kann. Allerdings müssen auch die EU-Institutionen endlich einsehen, dass sie durch zu viel Bürokratie und Reglements die Bevölkerung in ihren Mitgliedsstaaten nicht mehr erreichen.
mischa_verollet - 26. Jun, 09:57

Lieber Jens, es ist dein gutes Recht, Patriotismus in jeglicher Form abzulehnen. Aber bitte gestehe es anderen Leuten zu, dass sie eine Mannschaft anfeuern und sich mit ihr identifizieren, nicht nur, weil sie guten Fußball spielt, sondern weil es eine gemeinsame Herkunft gibt. Du siehst es wirklich - und das ist nur meine persönliche Meinung - sehr verkrampft. Diese nationale und regionale Rivalität gehört einfach zum Fußball dazu. Punkt aus. Das versteht aber vielleicht nur jemand, der mit Herzblut Fußballfan ist. Wie eine gesunde Rivalität aussieht, war gestern auf erfrischende Art und Weise zu erleben: Während des Spiels feuerte ich die unseren an, schimpfte über jede Fehlentscheidung. Nach dem Spiel feierte ich ausgelassen, nahm aber geschätzte zwanzig Türken in den Arm und anerkannte ihr gutes Spiel und versuchte zu trösten. Es gab auf dem Jahnplatz kein einziges böses Wort, ich habe mit Türken und Deutschen gleichermaßen gefeiert.

Fazit: Im Rahmen des Fußballs und in Maßen macht Patriotismus Spaß und ist völlig ungefährlich. Gäbe es das nicht, könnte man die EM und WM abschaffen. Ohne Nationalitäten keine Rivalitäten. Ohne Rivalitäten kein Fußball. Sehr vereinfacht, aber ich fürchte so ist es. Und ich find's toll. Aber wie gesagt: ich bin auch mit Herzblut Fußballfan. Dass "Außenstehende" das nicht nachvollziehen können, verstehe ich.

In einer Sache schließe ich mich dir allerdings zu 100 % an: Dein letzter Satz trifft die Sache im Kern. Genau so ist es!
Jenson (Gast) - 26. Jun, 19:05

Lieber Mischa,

um unsere kleine Meinungsverschiedenheit mal zu beenden. Du hast absolut
Recht, ich sehe das ganze wirklich sehr verkrampft. Und zwar aus folgendem
Grund: Wenn alle Fußballfans bei der EM/WM richtige Fans, so wie du es
einer bist (und ich auch - nur nicht von Deutschland *g* ) wären, könnte
ich auch etwas unverkrampfter an das Thema rangehen. Nur leider ist es so,
dass gerade bei der EM/WM viele "Mitläufer" dabei sind. Viele Gespräche
während des Turniers und auch im fußballfreien Alltag zeigen auf
erschreckende Weise und wirklich sehr häufig wie tief Rassismus und
Nationalismus, wenn auch nur unterschwellig, in der Bevölkerung verwurzelt
sind. Hier, und auch nicht im offenen Rassismus durch Neo-Nazis, liegt
allerdings ein, wie ich zurecht finde, sehr großes gesellschaftliches
Problem unserer Zeit. Interessanter Artikel hierzu aus der taz: http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/der-hass-aus-der-mitte Das
Ganze kann und sollte man beim Turnier nicht einfach ausblenden. Auf der
anderen Seite gebe ich dir aber auch 100% Recht, dass besonders die WM 2006
sehr viel dazu beigetragen hat die Integration von ausländischen Mitbürgern
zu fördern. Auch wenn dieses wohl ehr in den Großstädten stattgefunden hat,
wo man generell offener und toleranter ist.

Sagen wir es einfach ganz salopp: Gäbe es diesen unterschwelligen Rassismus
und Nationalismus nicht, würde ich bei einer EM/WM auch mein Fähnchen im
Stadion schwingen - vielleicht sogar eins in schwarz-rot-gold. Ganz
unverkrampft...

Lieben Gruß, Jens
mischa_verollet - 27. Jun, 09:06

@Jens

Besten Dank für die Klarstellung, ich kann deine Position jetzt gut nachvollziehen und gebe dir in vielen Punkten recht.

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