absolut nicht der Realität entsprechend ist dein folgender Absatz:
Doch selbst, wenn dieser unwahrscheinliche Fall eintreten sollte, der schwarz-rot-gold- Gewappnete ausfällig würde, wird der Anatole die Ruhe selbst bleiben und explizit darauf aufmerksam machen, dass man eventuell ein Problem besäße und sich nach Lösungsstrategien erkundigen
Jeder, der in Bielefeld aufgewachsen ist und als Teenager vor zehn, zwölf Jahren nachts über den Jahnplatz gelaufen ist, weiß, dass es im Alltag schon oft genug genau andersrum war. Traurig, aber wahr. Das nur, weil der Absatz schon arg verklärend wirkt.
Dennoch, um zum Hauptthema zurückzukehren: Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es mit einigen wenigen, auf depperte Minderheiten beider Seiten zurückzuführende Ausnahmen, friedlich zugehen wird. Dafür hängt noch zu sehr der Geist von 2006 über Deutschland. Ich rechne es unseren türkischen Mitbürgern immer noch hoch an, dass sie 2006 unsere Mannschaft fair mit supporteten. Dieses Erlebnis hat mich tief geprägt. Und auch bei dieser EM sieht man immer wieder türkische und deutsche Fahnen gemeinsam am Auto wehen, nach dem Portugal-Spiel waren zudem zig türkische Jugendliche auf dem Jahnplatz zu sehen, die mit uns feierten. Und in vielen Interviews war zu hören, dass unsere türkischen Mitbürger natürlich (alles andere wäre ja auch quatsch) ihre Mannschaft anfeuern, sie aber voll und ganz hinter Deutschland stehen werden, kommt unsere Mannschaft ins Finale. Das ist toll! Insofern gebe ich dir beim Tenor des Textes recht: Hoffen wir, dass deutsche wie türkische Fans dem guten Beispiel folgen und heute abend friedlich feiern und friedlich trauern. Denn - da bin ich zu sehr Fußballer und dazu stehe ich: Kommt die Türkei weiter, werde ich garantiert nicht feiern. Ich werde sehr, sehr traurig sein. Und traurig sein gehört zum Fußball wie das Amen in der Kirche.
Zum Abschluss noch zwei Sachen: Wir sind nicht eine Kultur. Wir werden's auch niemals sein. Und das ist auch gut so. Denn gerade durch die Verschiedenheit entdeckt man immer wieder neues und spannendes. Das hat mir mein Vater beigebracht, der lange Jahre in Marokko lebte und dort erlebte, wie westliche und arabisch-islamische Kulturen gemeinsam blühen können. Die Crux ist, den gemeinsamen Nenner zu finden. Und da sind beide Seiten gefragt. Und weder noch hat sich in der Vergangenheit immer vorbildlich verhalten.
Desweiteren ist es in meinen Augen überhaupt nichts Verwerfliches, sich um die "Reinheit" der deutschen Sprache verdient zu machen. Trotzdem ich gebürtiger Engländer bin, bin ich ein großer Anhänger der deutschen Sprache, ich schätze sie sehr, gerade als Schriftsteller, und ich fände es sehr, sehr schade, wenn wir in fünfzig Jahren alle nur noch Kiezdeutsch sprächen. Sorry, aber ein sprachtechnisches Idiocracy will ich nicht erleben.
also, locker bleiben, finde ich. Sollten sich heute Abend ein paar Menschen - ggf. auch lautstark - streiten, sich dabei aber nicht weh tun, ist es doch völlig problemlos. Fußball bzw. die implizite spielerische Gegnerschaft ist - glücklicherweise - künstlich. Eingefleischte - oder wie soll mensch das ausdrücken? - Arminiafans sind für Arminia - ach - aber kaum ein Arminiaspieler ist Bielefelder. Und die deutsche Nationalelf ist auch nicht zuwanderungsfrei, lol. "Den" "Anatolen" gibt es nicht, so wenig wie es jemals "den" "Russen" gab. Die Bielefelder Fußballfreudigen - und -trauernden werden auch dieses Spiel aushalten.
Ich hätte jetzt erwartet, dass Du registrierst, dass der Absatz (der Anatole - "Hast Du Problem?") eine ironische Hinleitung zum darauf folgenden ist, um sich von Sendungen wie "Nachgetreten!" zu distanzieren.
Im Übrigen kann man Kultur sehr weit, aber auch ziemlich eng definieren, vom gemeinsamen Leben in einer Petrischale (die meinetwegen Europa heißen mag) bis hin zu fast identischen Genen. Du scheinst mir eine sehr enge zu benutzen, mit gemeinsamer Sprache, Geschichte, Religion usw. usf.. Die habe ich hier aber nicht verwendet.
In der WG haben wir auch gut und viel Kultur, obwohl ich Deutscher bin und Du, ähm, ja, öh, irgendwas anderes ;-)
ich war mir nicht ganz sicher, ob du es ironisch meinst, hauptsächlich deshalb, weil ich einige Menschen (dazu zählst du offensichtlich und glücklicherweise nicht) kenne, die in dem Zusammenhang eine rosarote Brille aufhaben und Toleranz mit Blindheit gegenüber Problemstellungen verwechseln (mehr dazu hier).
Es wird in deinem Text nicht ganz klar, was du unter "einer Kultur" verstehst, deshalb meine Bezugnahme. Um deinen Petrischalen-Vergleich aufzugreifen: Wenn's um das gemeinsame Leben in der Petri-Schale geht, dann sind auch Neonazis und wir eine Kultur. Deshalb möchte ich unbedingt eine identische Definition benutzen :) Und ich bleibe dabei: Wir sind nicht eine Kultur. Die Unterschiede fangen bei der Sprache an und enden nicht erst bei verschiedenen Sichtweisen Frauenrechte uä. betreffend. Erst wenn man diese Unterschiede begriffen und akzeptiert hat, kann man mit offenen Armen aufeinanderzugehen. Dann kann man auch Toleranz leben und eine offene, selbstkritische multikulturelle Gesellschaft bilden.
Bezüglich "Schriftsteller - Autor": Laut wikipedia hast du nur bedingt recht. Wenn ich diese Sachen zugrunde lege "Autoren, die darauf gesonderten Wert legen, als Schriftsteller bezeichnet zu werden, verbinden dies nicht selten mit einem Leistungsnachweis, der sich nach der Anzahl ihrer nicht im Selbst- oder Zuschussverlag veröffentlichten Bücher, der Höhe der jeweils verkauften Auflagen und der etwaig kritischen Aufnahme durch die Rezensenten bemisst." habe ich jedes Recht mich als Schriftsteller zu bezeichnen. Ob das andere auch so sehen oder nicht interessiert mich dabei dann auch einen feuchten Dreck. Es lebe die Demokratie :)
Schön, aber:
Doch selbst, wenn dieser unwahrscheinliche Fall eintreten sollte, der schwarz-rot-gold- Gewappnete ausfällig würde, wird der Anatole die Ruhe selbst bleiben und explizit darauf aufmerksam machen, dass man eventuell ein Problem besäße und sich nach Lösungsstrategien erkundigen
Jeder, der in Bielefeld aufgewachsen ist und als Teenager vor zehn, zwölf Jahren nachts über den Jahnplatz gelaufen ist, weiß, dass es im Alltag schon oft genug genau andersrum war. Traurig, aber wahr. Das nur, weil der Absatz schon arg verklärend wirkt.
Dennoch, um zum Hauptthema zurückzukehren: Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es mit einigen wenigen, auf depperte Minderheiten beider Seiten zurückzuführende Ausnahmen, friedlich zugehen wird. Dafür hängt noch zu sehr der Geist von 2006 über Deutschland. Ich rechne es unseren türkischen Mitbürgern immer noch hoch an, dass sie 2006 unsere Mannschaft fair mit supporteten. Dieses Erlebnis hat mich tief geprägt. Und auch bei dieser EM sieht man immer wieder türkische und deutsche Fahnen gemeinsam am Auto wehen, nach dem Portugal-Spiel waren zudem zig türkische Jugendliche auf dem Jahnplatz zu sehen, die mit uns feierten. Und in vielen Interviews war zu hören, dass unsere türkischen Mitbürger natürlich (alles andere wäre ja auch quatsch) ihre Mannschaft anfeuern, sie aber voll und ganz hinter Deutschland stehen werden, kommt unsere Mannschaft ins Finale. Das ist toll! Insofern gebe ich dir beim Tenor des Textes recht: Hoffen wir, dass deutsche wie türkische Fans dem guten Beispiel folgen und heute abend friedlich feiern und friedlich trauern. Denn - da bin ich zu sehr Fußballer und dazu stehe ich: Kommt die Türkei weiter, werde ich garantiert nicht feiern. Ich werde sehr, sehr traurig sein. Und traurig sein gehört zum Fußball wie das Amen in der Kirche.
Zum Abschluss noch zwei Sachen: Wir sind nicht eine Kultur. Wir werden's auch niemals sein. Und das ist auch gut so. Denn gerade durch die Verschiedenheit entdeckt man immer wieder neues und spannendes. Das hat mir mein Vater beigebracht, der lange Jahre in Marokko lebte und dort erlebte, wie westliche und arabisch-islamische Kulturen gemeinsam blühen können. Die Crux ist, den gemeinsamen Nenner zu finden. Und da sind beide Seiten gefragt. Und weder noch hat sich in der Vergangenheit immer vorbildlich verhalten.
Desweiteren ist es in meinen Augen überhaupt nichts Verwerfliches, sich um die "Reinheit" der deutschen Sprache verdient zu machen. Trotzdem ich gebürtiger Engländer bin, bin ich ein großer Anhänger der deutschen Sprache, ich schätze sie sehr, gerade als Schriftsteller, und ich fände es sehr, sehr schade, wenn wir in fünfzig Jahren alle nur noch Kiezdeutsch sprächen. Sorry, aber ein sprachtechnisches Idiocracy will ich nicht erleben.
Einzahl ist Einhorn und gibt es nicht
also, locker bleiben, finde ich. Sollten sich heute Abend ein paar Menschen - ggf. auch lautstark - streiten, sich dabei aber nicht weh tun, ist es doch völlig problemlos. Fußball bzw. die implizite spielerische Gegnerschaft ist - glücklicherweise - künstlich. Eingefleischte - oder wie soll mensch das ausdrücken? - Arminiafans sind für Arminia - ach - aber kaum ein Arminiaspieler ist Bielefelder. Und die deutsche Nationalelf ist auch nicht zuwanderungsfrei, lol. "Den" "Anatolen" gibt es nicht, so wenig wie es jemals "den" "Russen" gab. Die Bielefelder Fußballfreudigen - und -trauernden werden auch dieses Spiel aushalten.
Im Übrigen kann man Kultur sehr weit, aber auch ziemlich eng definieren, vom gemeinsamen Leben in einer Petrischale (die meinetwegen Europa heißen mag) bis hin zu fast identischen Genen. Du scheinst mir eine sehr enge zu benutzen, mit gemeinsamer Sprache, Geschichte, Religion usw. usf.. Die habe ich hier aber nicht verwendet.
In der WG haben wir auch gut und viel Kultur, obwohl ich Deutscher bin und Du, ähm, ja, öh, irgendwas anderes ;-)
P.S.: Ich kenne Schriftsteller. Du bist Autor ;-)
@rouven
Es wird in deinem Text nicht ganz klar, was du unter "einer Kultur" verstehst, deshalb meine Bezugnahme. Um deinen Petrischalen-Vergleich aufzugreifen: Wenn's um das gemeinsame Leben in der Petri-Schale geht, dann sind auch Neonazis und wir eine Kultur. Deshalb möchte ich unbedingt eine identische Definition benutzen :) Und ich bleibe dabei: Wir sind nicht eine Kultur. Die Unterschiede fangen bei der Sprache an und enden nicht erst bei verschiedenen Sichtweisen Frauenrechte uä. betreffend. Erst wenn man diese Unterschiede begriffen und akzeptiert hat, kann man mit offenen Armen aufeinanderzugehen. Dann kann man auch Toleranz leben und eine offene, selbstkritische multikulturelle Gesellschaft bilden.
Bezüglich "Schriftsteller - Autor": Laut wikipedia hast du nur bedingt recht. Wenn ich diese Sachen zugrunde lege "Autoren, die darauf gesonderten Wert legen, als Schriftsteller bezeichnet zu werden, verbinden dies nicht selten mit einem Leistungsnachweis, der sich nach der Anzahl ihrer nicht im Selbst- oder Zuschussverlag veröffentlichten Bücher, der Höhe der jeweils verkauften Auflagen und der etwaig kritischen Aufnahme durch die Rezensenten bemisst." habe ich jedes Recht mich als Schriftsteller zu bezeichnen. Ob das andere auch so sehen oder nicht interessiert mich dabei dann auch einen feuchten Dreck. Es lebe die Demokratie :)