Lesenswert (1)
Verfasst von mischa_verollet am 2. Mai, 18:18
Günter Wallraff hat's wieder getan: Er war undercover unterwegs und deckt in einem Lidl'schen Zuliefererbetrieb eine moderne Form der Sklavenhaltung in Deutschland auf. Mir ist bei der Lektüre mein Lidl-Ciabatta-Brötchen von vor zwei Wochen wieder hochgekommen.
Ich will wissen, wie es in einer Firma zugeht, die sich einem einzigen Großabnehmer ausgeliefert hat, noch dazu dem Discounter Lidl, der dafür bekannt ist, aus seinen Mitarbeitern und Zulieferern das für ihn Optimale herauszupressen und dessen Konzernherr Dieter Schwarz auf diese Weise mit seinen mehr als 10 Milliarden Euro Ersparnissen zum viertreichsten Deutschen emporstieg.
Die Chefin überreicht mir eine weiße Arbeitshose und ein T-Shirt mit kurzen Ärmeln. Ich frage, ob man darin im Winter nicht friere. »Wenn es Ihnen zu kalt ist, müssen Sie eben schneller arbeiten.« Dann überlässt sie mich meinem Schicksal und meiner Schichtführerin.
Vielleicht lässt sich aus seinem Umgang mit Tieren schließen, was für ein Mensch Westerhorstmann ist. Gleich neben der Fabrikhalle hält er etwa 20 afrikanische Buckelrinder. Im Betrieb heißt es, sein Vater, von dem er die Fabrik erbte, habe ihm die Pflege per Testament auferlegt. Sicher ist, dass die Tiere dort leiden, sie stehen bis über die Knöchel im eigenen Kot, weil niemand den Stall ausmistet. Eines Tages, es ist Karfreitag, entdecke ich, dass dort ein soeben geborenes Kalb liegt. Als ich es finde, hebe ich es aus dem Kot und Schlamm, trage es ins Freie und reibe es ab: Es lebt noch. Noch am selben Tag erfahre ich von einem Kollegen, dass das Neugeborene elendig verreckt ist.
Meinen schwärzesten Tag habe ich nach etwa zwei Wochen. Es ist mein Kollege S., der mich rettet, denn ich breche fast zusammen. Ich höre, wie mein Herz schlägt, laut und rasend und unregelmäßig. Herzrhythmusstörungen.
(via ZEIT online und ZEIT leben magazin)
Ich will wissen, wie es in einer Firma zugeht, die sich einem einzigen Großabnehmer ausgeliefert hat, noch dazu dem Discounter Lidl, der dafür bekannt ist, aus seinen Mitarbeitern und Zulieferern das für ihn Optimale herauszupressen und dessen Konzernherr Dieter Schwarz auf diese Weise mit seinen mehr als 10 Milliarden Euro Ersparnissen zum viertreichsten Deutschen emporstieg.
Die Chefin überreicht mir eine weiße Arbeitshose und ein T-Shirt mit kurzen Ärmeln. Ich frage, ob man darin im Winter nicht friere. »Wenn es Ihnen zu kalt ist, müssen Sie eben schneller arbeiten.« Dann überlässt sie mich meinem Schicksal und meiner Schichtführerin.
Vielleicht lässt sich aus seinem Umgang mit Tieren schließen, was für ein Mensch Westerhorstmann ist. Gleich neben der Fabrikhalle hält er etwa 20 afrikanische Buckelrinder. Im Betrieb heißt es, sein Vater, von dem er die Fabrik erbte, habe ihm die Pflege per Testament auferlegt. Sicher ist, dass die Tiere dort leiden, sie stehen bis über die Knöchel im eigenen Kot, weil niemand den Stall ausmistet. Eines Tages, es ist Karfreitag, entdecke ich, dass dort ein soeben geborenes Kalb liegt. Als ich es finde, hebe ich es aus dem Kot und Schlamm, trage es ins Freie und reibe es ab: Es lebt noch. Noch am selben Tag erfahre ich von einem Kollegen, dass das Neugeborene elendig verreckt ist.
Meinen schwärzesten Tag habe ich nach etwa zwei Wochen. Es ist mein Kollege S., der mich rettet, denn ich breche fast zusammen. Ich höre, wie mein Herz schlägt, laut und rasend und unregelmäßig. Herzrhythmusstörungen.
(via ZEIT online und ZEIT leben magazin)
2 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
herrnashorn.de (anonym) - 2. Mai, 19:11
Hey, ich hatte auch schon an die Veröffentlichung von Auszügen aus dem Wallraffartikel gedacht. Der Artikel ist super. Ich meine erschreckend. Also super erschreckend.
mischa_verollet - 2. Mai, 19:50
Ja, 100 %



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