Still Alive!


Neulich rief mich meine Mutter aus der heimatlichen Provinz an und fragte mich, ob ich am 1. Mai nachhause käme. „Ihr geht doch immer mit dem Bollerwagen wandern,“ bekräftigte sie ihren versteckten Wunsch, ihren Sohn mal wiederzusehen. Doch wenn man den darauf folgenden Brückentag nicht als solchen nutzt und arbeiten gehen muss, sollte man sich nicht auf derlei Spirenzchen einlassen.


(Foto: anna-rchy; Lizenz)


„Mama! Das mit dem Bollerwagen haben wir zuletzt bestimmt vor fünfzehn Jahren gemacht,“ klärte ich sie über meine geringe Lust auf lange Bahnfahrten und betrunkene Wanderungen auf.

Apropos Mama.

Stattdessen blieb ich hart in Bielefeld und quälte mich mit „den anderen“ herum, wann man wo was am Vorabend des ersten Maitags unternehmen könnte. Die Qual der für unsere Geschmäcker mangelnden Auswahl fiel auf das Movie (von mir forciert, zugegeben, da ich das Mittwochsprogramm dort gut in Erinnerung habe und die Preise insgesamt für moderat halte).
Dort angekommen jedoch, stellte es sich als große Vernachlässigung heraus, den Programmtitel nicht genau gelesen zu haben: „No Compromise [regulär Mittwochs] vs. 27Up“ (!!!). Nun ist es zwar so, dass die begleitenden Herren und ich sich auch wegen des zweiten Programmteils durchaus zu recht anwesend fühlen durften („Best Of Both Worlds“ LeSven), doch realiter bestand der Altersdurchschnitt etwas über unserem Niveau.

Ausschnitt aus der SMS-Konversation von mir mit der besten Freundin:

Ich: Doch im Movie gelandet.
Sie: Viel Spaß ;-)
Ich: Ja, mal gucken. Altersdurchschnitt liegt bis jetzt bei 40 und die Musik ist dementsprechend.
Sie: Kann gut ein dass X [Anm.: ein Bekannter, 42 J.] noch auftaucht ;o) werd gleich schlafen. Gut Nacht.

Wenig später widerfuhr es mir, dass ich die Figur einer Frau von hinten bewunderte, ich mich aber erschrak, als sie sich umdrehte. Als ich dieses LeSven schilderte, kommentierte er es mir lediglich mit den Worten: „Hallo Mama.“

Nichts wie weg. Mir fiel, so hart es klingen mag, nur der Stereo Total-Hit „Du bist schön von hinten“ ein.

Apropos Stereo.

Das war nämlich der nächstgelegene Laden, in den es uns dann auch zog. Ich mag das Stereo nicht, war (inkl. Gestern) nur drei Mal dort, da ich die Preise, die willkürlich wechselnde Musik und überhaupt fast alles daran nicht mag. Doch nachdem wir nach einer halben Stunde Schlange stehen und den zweiten Eintritt bezahlend (*grmpf*) endlich Einlass bekamen, stellte sich heraus, dass offenbar die halbe Stadt zugegen war, hauptsächlich unserer Alterszugehörigkeit und sogar mit Leuten dazwischen, die man kennt.
Es gab allerdings auch hier ein großes Problem: Man konnte sich nämlich nicht bewegen. Weshalb, schildert LeSven hier.

Wäre man flexibel gewesen, hätte man natürlich sich noch zur letzten Option, der H.a.N.F.-Party im Audimin bewegen können, um dort den dritten Eintritt des Abends zu zahlen.

Ausschnitt aus der SMS-Konversation mit Mischa:

Ich: Wenn Ihr überhaupt noch dazustoßen wollt: Wir sind ins Stereo weitergezogen.
Er: Danke,sind aber auf der h.a.n.f.-party anne uni gelandet ;) lampe auch da,erzählte mir,dass man für 150.000 ne wasserstoff bombe kriegt. verdammt günstig!
Ich: Interessante Sachen weiß der. Bekommen wir das Geld zusammen, wenn wir Miete, Stadtwerke usw. Ne Weile einbehalten?
Er: Müsste klappen.
Ich: War machen wir dann damit?
Er: Gütersloh sprengen.

Ich bin dann auch nicht mehr lange geblieben. Es war spät.

Die Startseite der Süddeutschen überraschte mich heute Mittag mit der Schlagzeile „Löhne, Löhne, Löhne“ und meine Assoziationen gehen zunächst zum benachbarten Bahnknotenpunkt statt zu gewerkschaftlichen Begehrlichkeiten. Ich sollte mich was schämen.

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