Montag, 24. März 2008

Nein, Mama, ich habe alles!


Die ewigen Zweiten im Ranking der wichtigsten Feiertage des Jahres sind gefrühstückt und meine Klamotten besitzen immer noch das herbe Odeur des Lagerfeuers. Da man diese Tage - ähnlich wie an Weihnachten - oft dafür nutzt, in die Heimat zu fahren und bei der Familie zu übernachten, bieten sie viel Stoff für "bitterböse" Familiensatiren und Fernsehfilme, wie z.B. oft in den öffentlich-rechtlichen gesendet.

Auch bei mir gab es wieder Reibereien am Rande der Nervenbelastungsgrenze (wenn auch nicht gleich Streit), und so manch inspirierende Situation könnte ich nunmehr nutzen, um sie noch weiter auszumalen und in einem Drehbuch an das ZDF zu verkaufen. Doch ich möchte hier nicht davon berichten, wie ich beinahe verzweifelte, weil mein Vater die Funktionen von ebay nicht verstand, welche ich mittels eines plätschernden 56k-Modems präsentieren musste. Ebensowenig halte ich es der Rede wert, wie mich ein déjà-vu ereilte im Hinblick auf meinen letzten Slamtext, als ich feststellte, dass die elterliche Dusche ebenfalls nicht mehr länger über DSL verfügt. Druck ist anders.

Doch ein Phänomen, welches bislang eher ein Mauerblümchendasein unter den Komödianten fristet, ist der Kampf um das Fresspaket bzw. dessen Abwehr. Es ist beinahe als Fakt zu werten, dass Mütter ihren Nachwuchs IMMER als zu dünn ansehen, in der Regel haben die Kinder in ihren Augen seit dem letzten Besuch abgenommen.
Ein Freund meinte anlässlich seines Geburtstags zu diesem Thema: "Je älter man wird, desto mehr wächst der Arsch nach vorne", doch das trifft auf mich nicht zu. Ich wage zu behaupten, dass ich mich wochenlang in einem McDonald's einquartieren und mich dort ernähren könnte und ich nähme trotzdem nicht zu. Auf der anderen Seite befürchtete man zum Beispiel nach meinem zweiwöchigen Berlinale-Stress, ich wäre deutlich dünner. Stimmte ebenfalls nicht.

Am Besten müsste meine Mutter dies wissen und kennen, diesen bei mir anscheinend genetisch nicht vorhandenen Jojo-Effekt. Dennoch beginnt kurz vor meiner Abreise stets das gleiche Spiel:

Sie: "Ich habe dir unten [im Keller] ein paar Sachen zum Essen zusammengestellt, die kannste mitnehmen."
Ich: "Nein, danke. Wir haben alles zuhause."

Doch eine halbe Stunde später werde ich gewahr, dass dieser, mein letzter Satz wohl ungehört oder unverstanden geblieben ist.

Sie: "Komm mal mit, wir suchen dir jetzt noch was aus'm Keller für Euren Kühlschrank aus."
Ich: "Nee, lieber nicht. Erstens haben wir alles und zweitens habe ich nur zwei Taschen mit, die müssen reichen. Da passt nix mehr rein und ich habe auch keinen Bock, soviel Zeugs durch den Zug und durch Bielefeld zu schleppen."

Diese Hin und Her vollzieht sich dann erfahrungsgemäß noch ungefähr 5-10 Mal, erst später, im Zug oder zuhause, bemerke ich dann, weshalb meine Taschen so schwer gewesen sind. Sie hatte es dann doch noch heimlich geschafft, mir Nahrungsmittel unterzuschieben. Mit 50%iger Wahrscheinlichkeit handelt es sich dann um etwas, was ich überhaupt nicht mag. Sie sollte es nach über 30 Jahren Kenntnis meiner Selbst besser wissen.

Aber ist ja lieb gemeint. Weiß ich doch.

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@irsign (anonym) - 24. Mrz, 22:19

*lol*

Dass ist der Vorteil, wenn man zur Familie fliegt. Da passen nur 20kg in den Koffer! ;)

Nahrungsmittelmitnehmer (anonym) - 24. Mrz, 23:05

Kraftfahrer sin klar im Vorteil: Proviant kann komfortabel mitgeführt werden.
herrnashorn.de (anonym) - 25. Mrz, 10:56

ähm, das kenne ich doch irgendwo her.

"junge, nie können wir dir was gutes tun!" :)

...kekse oder irgendwelches edeka-schokozeugs.

little james (anonym) - 25. Mrz, 11:54

seufz. meine mutter: "hast du zugenommen?" ich:"nein, aber wo wir gerade beim thema sind: hast du was zu essen da?" mutter: "nur noch brot, aber keinen aufschnitt oder so."

seufz. darf ich einmal mit zur familienfeier kommen?

(nein, ab und zu bekomm ich auch was zu essen mit, so ist das nicht.)