Der FC St. Pauli und ich, wir werden keine Freunde mehr
Verfasst von mischa_verollet am 10. Mrz, 20:46
Ich schaue grad Hattrick - 2. LIga, FC St. Pauli vs. 1860, und da fällt mir auf, dass während uns irgendwie alle Welt hasst, jeder gleichzeitig irgendwie St. Pauli toll findet. Warum eigentlich?
Dieses St. Pauli-Ding hat sich schneeballsystemmäßig verselbständigt in den letzten Jahren. Jeder ärgert sich, damals kein St. Pauli-Retter-T-Shirt erworben zu haben, Menschen, die keine Ahnung von Fußball haben, finden aber irgendwie St. Pauli cool und kaufen für ihre Loftparties ausschließlich Astra, obwohl das Gesöff wie Plörre schmeckt und die Werbung schon lange nur noch nervig und nicht mehr witzig ist. Marketing ist eben alles, zugegeben, da ziehe ich durchaus meinen Hut vor den St. Pauli-Machern, vor allem in Anbetracht der Strategen in unserem Club. Aber letztendlich zeigt das genau St. Paulis Problem auf: Der FC ist kein Fußballclub mehr, sondern ein Kunstprodukt, eine Merchandising-Maschine, Pflicht für linke Fashion-Fashionistas, ein Freifahrtschein in Sachen Anti-Rassismus, egal, wie viele Vorurteile man unter dem St. Pauli-Totenkopf noch heimlich spazieren trägt. Und jetzt kommt der Todesstoß für den FC St. Pauli: Der Club ist Kult. So, jetzt ist's raus. St. Pauli und das Bäh-Wort, diese Symbiose trennt so schnell keiner mehr.
Die perfekte Beschreibung des FC St. Pauli hörte ich letztens von Frank Klötgen beim Frühstück im Hotel, als er erklärte, warum er während seiner Hamburger Zeit mehr zum HSV hin tendierte:
"FC St. Pauli... das war irgendwie einfach zu naheliegend."
Zu naheliegend. Genau so ist es. Treffender kann man den FC St. Pauli nicht beschreiben. Der FC St. Pauli ist nicht der Außenseiter-Club, der er gern wäre, im Gegenteil, der FC St. Pauli ist nichts anderes als gottverdammter Mainstream, das Fußball gewordene Pali-Tuch, das Emily Strange des Fußballs, nein, schalimmer noch, der FC Bayern für Alternative. Punkt.
Dieses St. Pauli-Ding hat sich schneeballsystemmäßig verselbständigt in den letzten Jahren. Jeder ärgert sich, damals kein St. Pauli-Retter-T-Shirt erworben zu haben, Menschen, die keine Ahnung von Fußball haben, finden aber irgendwie St. Pauli cool und kaufen für ihre Loftparties ausschließlich Astra, obwohl das Gesöff wie Plörre schmeckt und die Werbung schon lange nur noch nervig und nicht mehr witzig ist. Marketing ist eben alles, zugegeben, da ziehe ich durchaus meinen Hut vor den St. Pauli-Machern, vor allem in Anbetracht der Strategen in unserem Club. Aber letztendlich zeigt das genau St. Paulis Problem auf: Der FC ist kein Fußballclub mehr, sondern ein Kunstprodukt, eine Merchandising-Maschine, Pflicht für linke Fashion-Fashionistas, ein Freifahrtschein in Sachen Anti-Rassismus, egal, wie viele Vorurteile man unter dem St. Pauli-Totenkopf noch heimlich spazieren trägt. Und jetzt kommt der Todesstoß für den FC St. Pauli: Der Club ist Kult. So, jetzt ist's raus. St. Pauli und das Bäh-Wort, diese Symbiose trennt so schnell keiner mehr.
Die perfekte Beschreibung des FC St. Pauli hörte ich letztens von Frank Klötgen beim Frühstück im Hotel, als er erklärte, warum er während seiner Hamburger Zeit mehr zum HSV hin tendierte:
"FC St. Pauli... das war irgendwie einfach zu naheliegend."
Zu naheliegend. Genau so ist es. Treffender kann man den FC St. Pauli nicht beschreiben. Der FC St. Pauli ist nicht der Außenseiter-Club, der er gern wäre, im Gegenteil, der FC St. Pauli ist nichts anderes als gottverdammter Mainstream, das Fußball gewordene Pali-Tuch, das Emily Strange des Fußballs, nein, schalimmer noch, der FC Bayern für Alternative. Punkt.
21 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
@irsign (Gast) - 10. Mrz, 23:02
"Fußballgewordene Pali-Tuch". Hahaha. Wie geil! Wenn das mal kein neuer gleicher Slam-Text werden könnte.:D
Ich habe jahrelang auch mit denen sympathisiert, mittlerweile empfinde ich vieles ähnlich wie, nur nicht so extrem, aber insbesondere was die Astra-Plörre angeht muss ich dir voll zustimmen.
Ich habe jahrelang auch mit denen sympathisiert, mittlerweile empfinde ich vieles ähnlich wie, nur nicht so extrem, aber insbesondere was die Astra-Plörre angeht muss ich dir voll zustimmen.
mischa_verollet - 10. Mrz, 23:38
Hrrrm... da sachste was... aber nein, Metaphern-Texte beim Slam sind out, out, out, zumindest, wenn die Metaphern geballt auftreten. Aber vielleicht bastle ich noch nen Lesebühnen-Text draus, hihi.
@irsign (Gast) - 10. Mrz, 23:45
Verbesserungen
sollte übrigens 'geiler' nicht 'gleicher' heißen und 'empfinde vieles ähnlich wie DU'
dent (Gast) - 10. Mrz, 23:06
so sieht es aus. st.paulus ist das fc bayern für linke,sozialpäds, alle die irgendwie dagegen sind...
marketing ist gut. siehe bayern.
zitat : "dieser mensch war mir zunächst suspekt, hatte aber ein st.pauli shirt an, kann also nur ein guter sein."
böh! brechreiz!
ich unterscheide allerdings noch zwischen "echten" st.pauli fans und "symphatisanten". nett an st. pauli ist die vereinskneipe. wobei du genau dies ambiente auch im "anastasia" an der heeper strasse haben kannst.
marketing ist gut. siehe bayern.
zitat : "dieser mensch war mir zunächst suspekt, hatte aber ein st.pauli shirt an, kann also nur ein guter sein."
böh! brechreiz!
ich unterscheide allerdings noch zwischen "echten" st.pauli fans und "symphatisanten". nett an st. pauli ist die vereinskneipe. wobei du genau dies ambiente auch im "anastasia" an der heeper strasse haben kannst.
@irsign (Gast) - 10. Mrz, 23:14
Logisch gibt es 'echte' St. Pauli Fans und Mode-Fans, wenn man denn so kategorisieren will. Ich meine, man muss eben nur aufpassen, dass man das Rad nicht überdreht. Omipräsenz hat schon ganz anderen geschadet.
mischa_verollet - 10. Mrz, 23:41
@Dent + airsign: Natürlich, völlig richtig, die echte Paulianer respektiere ich voll und ganz. Genauso wie ich diverse karitativen Aktionen St.Paulis gut finde. Es geht mir hauptsächlich um diese Modefans. Das ist das Schlimme am Club, aber da ist deren Marketing-Abteilung ein Stück weit selbst dran schuld und ich bin mir sicher, die sind nicht komplett böse drum... ;)
Herm (Gast) - 10. Mrz, 23:31
Ha!
Genau das denke ich mir auch immer! Ich bin ja nunmal FCB und da kommt nunmal jeder an und sagt "ühhh öhhh is ja einfach FCB Fan zu sein blablabla" dabei ist es im Prinzip ja noch sehr viel einfacher St Pauli Fan zu sein. Während man sich als Fan des FC Bayern M. noch rechtfertigt warum nun ausgerechnet dieser Verein, hat man als St Paulianer schon mindestens (!) 7 "cool"s eingefangen.
mischa_verollet - 10. Mrz, 23:42
Lieber Herm, da hast du voll und ganz recht!!! 100 % ACK
Aber irgendwie steh ich grad aufm Schlauch, aus irgendeinem Grund hatte ich dich beim MSV Duisburg verortet, frach mich nicht warum...
Aber irgendwie steh ich grad aufm Schlauch, aus irgendeinem Grund hatte ich dich beim MSV Duisburg verortet, frach mich nicht warum...
Herm (Gast) - 11. Mrz, 16:58
das stimmt so ja auch, da ich den durch enorm gute nachbarschaftliche fanarbeit ebenso seit etwa einem jahr in mein fussbalherz geschlossen habe
St. Jenson (Gast) - 11. Mrz, 00:10
Alternativ war im Profi-Fußball der SC Freiburg unter Volker Finke.
Die meisten Pauli „Fans“ haben neben ihrem braunen Retter-Shirt mit Sicherheit auch ein rotes Che-Shirt in ihrem Kleiderschrank liegen. Allerdings gibt es auch sehr viele echte Pauli-Fans/Mitglieder die diesen Verein schon zu einem Unikat in der kommerzialisierten Fußballlandschaft machen. Die Schanze und das gesamte Umfeld wandelt sich momentan allerdings auch sehr stark und die Gentrifizierung des Kiezes ist grade erst am Anfang. So sieht man dort auch immer mehr "CDU Wählern die gestylt sind auf Neo-Punk ... Mit Militärhose, Nieten-Gürtel und alten Trainingsjacken" Wie Jan Delay es in einem seiner Songs beschreibt.
Der FC St. Pauli liegt übrigens bei den Merchandisingeinnahmen aller deutschen Fußballclubs auf dem 5. Platz.
Die meisten Pauli „Fans“ haben neben ihrem braunen Retter-Shirt mit Sicherheit auch ein rotes Che-Shirt in ihrem Kleiderschrank liegen. Allerdings gibt es auch sehr viele echte Pauli-Fans/Mitglieder die diesen Verein schon zu einem Unikat in der kommerzialisierten Fußballlandschaft machen. Die Schanze und das gesamte Umfeld wandelt sich momentan allerdings auch sehr stark und die Gentrifizierung des Kiezes ist grade erst am Anfang. So sieht man dort auch immer mehr "CDU Wählern die gestylt sind auf Neo-Punk ... Mit Militärhose, Nieten-Gürtel und alten Trainingsjacken" Wie Jan Delay es in einem seiner Songs beschreibt.
Der FC St. Pauli liegt übrigens bei den Merchandisingeinnahmen aller deutschen Fußballclubs auf dem 5. Platz.
vert (Gast) - 11. Mrz, 01:58
für mainstream ist der club aber immer wieder allzu glorios nahe der pleite, merchandise hin oder her. das marketing ist unter diesen bedingungen zweifelsohne gut (anscheinend immer besser als das management), selbst mit dem kuckuck am stadion ham die mehr glamour als... soll ichs wirklich sagen?
zuviele m-worte. aber als alberne alliterationen ausreichend.
jetzt soll ich als captcha "blas" eingeben?!? impertinente imperative!
zuviele m-worte. aber als alberne alliterationen ausreichend.
jetzt soll ich als captcha "blas" eingeben?!? impertinente imperative!
mischa_verollet - 11. Mrz, 08:07
Glamour will nur unsere Geschäftsführung. Wir wären schon zufrieden, wenn sie hin und wieder mal wieder Gras fressen würden...
Hippo (Gast) - 11. Mrz, 07:44
Ich als Hobby-Bayern-Fan protestiere natürlich aufs Schärfste gegen den völlig unzutreffenden Vergleich "FC Bayern für Alternative" finde es aber ansonsten höchst erfreulich, daß das Tragen von St.-Pauli-Totenkopf-Kapuzenpulli und der Erwerb von St.-Pauli-Lebenslang-Dauerkarten allmählich nicht mehr mit Gedanken wie "Boah ist der unkonventionell. Der traut sich noch was, der ist sicherlich schon von zu Hause ausgezogen" einhergeht. Ich will gar nicht wissen, wie viele Sparkassen-Angestellte unter ihrem Hemd heimlich stets frische, mit Weichspüler und Coral gewaschene und adrett gebügelte St.-Pauli-Shirts tragen und sich, wenn sie Eigenheim-Bauer bei der Finanzierung beraten, "Wenn ihr Spießer wüsstet, wie ich wirklich drauf bin, hä hä" denken.
Mein Vergleichsvorschlag lautet: St.Pauli-Fans sind unter Fußballfans, was Tote-Hosen-Fans unter Punks sind.
Mein Vergleichsvorschlag lautet: St.Pauli-Fans sind unter Fußballfans, was Tote-Hosen-Fans unter Punks sind.
mischa_verollet - 11. Mrz, 08:08
Sehr geil :)
Sascha (Gast) - 11. Mrz, 10:06
Völlig richtig und mehr als verständlich!
"Da in der Gesellschaft vor allem der individuelle Freigeist etwas gilt, taugt die Dauerkarte vom FC St. Pauli für viele Anhänger der Neuzeit auch als Statussymbol für Andersartigkeit und vermeintliche Basisverbundenheit. Auch der politisch Meinungslose bezieht mit dem Gang ans Millerntor Stellung. Ein Quentchen freies Denken im Leben des geknechteten Werbetexters mit seiner 70-Stunden-Woche. Seine Ration St. Pauli beweist ihm im Zweiwochentakt, wie unangepasst er doch geblieben ist."
http://11freunde.de/bundesligen/108217
http://11freunde.de/bundesligen/108217
niesen (Gast) - 11. Mrz, 15:47
Bei diesen ganzen vermeintlichen Vergleichen wisst Ihr schon, dass USP und Schickeria sich nicht gerade feindlich gesinnt sind?!
Marcel (Gast) - 11. Mrz, 20:23
St. Pauli
Hamburg ist schwarz-weiß-blau und nicht braun!
Tod und Hass USP!
Tod und Hass USP!
niesen (Gast) - 14. Mrz, 01:19
Naja gut, das ist halt auch eine Form von Niveau.
Nur dass eben der bestimmte Artikel bestimmt fehlt.
Aber da war sich der Autor offenbar nicht so sicher...
Das Captcha zeigt ohne Quatsch "haue" an!
Nur dass eben der bestimmte Artikel bestimmt fehlt.
Aber da war sich der Autor offenbar nicht so sicher...
Das Captcha zeigt ohne Quatsch "haue" an!
Matze (Gast) - 11. Mrz, 21:18
sehr gut zu dem Thema passt auch der Artikel in der 11 Freunde vor ein paar Monaten ...
Was mich an Pauli so ankotzt ist, dass da immer eine "phänomenale Stimmung" ist. Würden wir Bengalos entzünden, wären wir die asozialen Fußballzerstörer, da is das Fankultur
Danke Herr Beckmann
Was mich an Pauli so ankotzt ist, dass da immer eine "phänomenale Stimmung" ist. Würden wir Bengalos entzünden, wären wir die asozialen Fußballzerstörer, da is das Fankultur
Danke Herr Beckmann
björn (Gast) - 26. Jun, 01:10
?
Ich habe in den letzten 15 Jahren, in denen ich zu jedem Sankt Pauli Spiel gehe kein einziges Bengalo gesehen, das von Heimfans gezündet wurde
tobe (Gast) - 11. Mrz, 23:14
Bei mir hats mit St.Pauli ja mit Klaus Thomforde angefangen. Das war noch ein Kerl. Seitdem habe ich viele St.Pauli-Spiele gesehen, habe Siege, Aufstiege, gute Spiele gefeiert. Dann begann es, dass selbst schlechte Spiele gefeiert wurden. Regionalliga, jahrelang, teils mit einem Bein in der Oberliga. Und wat? Genau, immer weiter feierten. Gerade bei Auswärtsspielen, die ich einige mehr als Heimspiele gesehen habe, 400 Kilometer waren für einen Schüler kein Pappenspiel. Das geht mir immer noch gehörig auf den Sack, wenn meine Jungs verlieren, möchte ich fluchend (Gegner, Schiedsrichter, die Spieler) das Stadion verlassen und in der Kneipe still ins Bier heulen, bis es nach Nummer acht oder neun wieder aufwärts geht, nächste Woche halt. Diese andauernde "Paaardy" ist fürn Arsch.
Das Merchandising finde ich übrigens super, das ist definitiv tragbarer als viel Schund, den die anderen Vereine im Katalog haben.
Tragbar ist übrigens auch das Osttribüne-T-Shirt, seitdem Mary in Bielefeld studiert, gehe ich auf die Alm. Hier gibt´s wenigstens auch mal wieder Frust nach dem Spiel (derzeit definitiv zu viel, aber das steht auf einem anderen Blatt). Außerdem nehme ich nach der Arbeit gerne die vollgestopfte A2 samt Kamener Kreuz in Kauf, um ein scheißkaltes Mittwochsspiel (Niederlage! Hannover) zu sehen. Hach, auf der Alm ist schön, auch wenn es gerade einmal anderthalb Jahre sind und das auch nur in der Bundesliga. Irgendwie Modefan, oder?
Das Merchandising finde ich übrigens super, das ist definitiv tragbarer als viel Schund, den die anderen Vereine im Katalog haben.
Tragbar ist übrigens auch das Osttribüne-T-Shirt, seitdem Mary in Bielefeld studiert, gehe ich auf die Alm. Hier gibt´s wenigstens auch mal wieder Frust nach dem Spiel (derzeit definitiv zu viel, aber das steht auf einem anderen Blatt). Außerdem nehme ich nach der Arbeit gerne die vollgestopfte A2 samt Kamener Kreuz in Kauf, um ein scheißkaltes Mittwochsspiel (Niederlage! Hannover) zu sehen. Hach, auf der Alm ist schön, auch wenn es gerade einmal anderthalb Jahre sind und das auch nur in der Bundesliga. Irgendwie Modefan, oder?



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