Köln, ein einsames Hotelzimmer, kurz vorm Schlafengehen


Ob wir die berühmtesten Typen seien, die er je kutschiert habe, versuche ich ironisch dem Chauffeur die Frage mit der zu erwartenden deprimierendsten Antwort des Abends zu stellen. Nö, sagt er wie aus der Pistole geschossen. Will Smith sei saunett gewesen. Unter anderem. Nett ist vor allem unser Fahrer. Meine Bierflasche darf ich mit in den silbernen Mercedes-Van nehmen.

Der Fahrdienst bringt Bumillo, Frank Klötgen und mich zurück in unser von der Produktion gebuchtes 3-Sterne-Hotel in der Kölner Innenstadt, das mithilfe eines saftigen Preises krampfhaft versucht, 4 Sterne zu sein. Vergeblich. Immerhin ein Flachbildfernseher auf meinem Einzelzimmer und das W-Lan ist auch umsonst. Wie auch das Zimmer, zahlt netterweise der WDR. Ein kurzer Abstecher zur Domplatte, Pauline Füg, Stephan Dörsing, Wolf Hogekamp, Gauner, Tobi Kunze und wir wollen noch was spachteln, aber alles hat zu, außer McDonald's, also hin, es wird noch eine nette Gesprächsrunde.

Und jetzt sitze ich hier, mit Restalkohol vom McDonald's am Dom und W-Lan und blogge und beantworte E-Mails, weil das mit dem eee so viel Spaß macht und schaue mich selbst im Internet und freue mich zum einen, dass mich offensichtlich manche Menschen für ein krasses Nervengas halten und andererseits drauf, mich heute abend morgen abend (EDIT, 2:34 Uhr) um 23.45 Uhr im WDR zu sehen und ich werde brav sein und warten und mich selbst im Fernsehen gucken, obwohl es den Beitrag schon online auf der offiziellen Seite gibt.

Wenn man auf Tour ist, verschwimmt die Zeit. Gestern, erst gestern noch in Schweinfurt gewesen und trotz dieses grandiosen Line-Ups einen tollen 3. Platz hinter Sebastian 23 und Julius Fischer erreicht, aber viel wichtiger, einen wunderbaren Abend mit den ganzen Jungs gehabt, Felix, Björn, Alex Gendlin, Lars, Grohacke, Tobi Heyel und alle anderen, die ich grad vergessen habe - es ist früh -, wir soffen und quatschten und spielten einschlägiges Liedgut auf dem Harmonium, aber viel krasser, eine furchtbare Nacht in der Unterkunft gehabt, in Schweinfurt werden die Heizungen nachts ausgemacht, ich wachte frierend auf und zog alles an, was ich an Klamotten dabei hatte.

Und auf der Hinfahrt, in Würzburg, da gibt es am Bahnhof ein Museum, man zahlt 50 Cent Eintritt, und dann kann man sich anschauen, wie so ein Gefängnis in Sibirien ausschaut und staunen, dass die einzige originalgetreue Wärterin weiblich ist und den Kasernenhofton wunderbar beherrscht, staunen, dass das Gefängnis hauptsächlich aus sanitären Anlagen besteht und offensichtlich noch nichts von der globalen Erwärmung und dem Klimawandel und so gehört hat. Ach, wer dieses Museum mal besuchen mag: Unter den Gleisen Richtung Stadt raus und dann der Beschilderung "WC" folgen. Man kann es nicht verfehlen.

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