Sonntag, 2. März 2008

No country for old men


Die Top 5 meiner Lieblingsfilme lesen sich wie folgt: Oldboy, Reservoir Dogs, Infernal Affairs I+II, The Royal Tenenbaums, City of God. Und auch wenn ich mich gern dagegen sträube, mich von Hypes einvernehmen zu lassen, muss ich der Oscar-Academy recht geben: No country for old men ist nach langer Zeit mal wieder ein Film, der es langfristig unter meine Lieblingsfilme schaffen könnte.

Auf die Handlung und den Hintergrund des Films möchte ich gar nicht weiter eingehen, das können andere besser und ausführlicher. Denn was den Film ausmacht, ist seine Atmosphäre. Angefangen mit wunderschönen Landschaftsaufnahmen über die Narration von Tommy Lee Jones bis hin zur Gehetztheit des Llewellyn Moss. Unglaublich, die ständige Beklemmung, die No country for old men in einem auslöst. Zwar ist die Figur des Gejagten alles andere als ein Sympathieträger, dennoch fiebert man - anders als beim langweiligen und uninteresanten Michael Clayton, der in meinen Augen nur Oscar-nominiert wurde, weil Steven Soderbergh produktionstechnisch dahintersteckt - von Anfang bis Ende mit. Bemerkenswert zudem der Nicht-Einsatz von Musik im gesamten Film, bis auf eine Truppe mexikanischer Mariachis, die aber zur Handlung gehören. Und trotzdem oder gerade deswegen baut der Film mehr Suspense auf, als jeglicher Teenieshocker der vergangenen Jahre.

Der Grund dafür: Anton Zcsthieguarrrgh oder so, einer der gnadenlosesten, unheimlichsten und bösesten Killer, die je die Leinwand bevölkert haben. Meine Fresse. Ich habe noch nicht mal gewagt, im Kino über seine Frisur zu lachen, ich hätte Angst gehabt, er erschießt mich durch die Leinwand hindurch.

Aber es ist beileibe nicht nur Javier Bardems Leistung, die den Film außergewöhnlich macht. Die gesamte Inszenierung ist einzigartig. Die Kameraarbeit, der Schnitt, die Dialoge, die spärlichen Actionszenen, die glaubwürdige Charakterzeichnung. Markus sagte mal, ein gut entworfener Protagonist sprengt niemals den Rahmen seiner ihm zuzutrauenden Fähigkeiten, der Zuschauer muss jederzeit das Gefühl haben, dass es genauso passieren könnte. Und das meistern die Coen-Brüder mit Bravour. Ja, Moss ist Vietnam-Veteran und Jäger, er kann nun mal mit einer Waffe umgehen und nein, Tschzcyguah ist ein gnaden- und skrupelloser Killer, warum sollte er dem armen Mann sein Schicksal ersparen. Perfekt. Unter anderem ein Grund, dass der Film so saurealistisch geraten ist, dass man keine Sekunde an der Handlung zweifelt. Was mir besonders auffiel: Seit Spiel mir das Lied vom Tod war kein derart langsam inszenierter Film so nervenaufreibend mitreißend wie NCFOM. Ein Meisterwerk der Coen-Brüder.

Der einzige Wermutstropfen: Die Coen-Brüder sind bei einer Figur leider in die Klischee-Falle gelaufen und inszenieren den Deputee-Sheriff erwartungsgemäß als Dumpfbacke. Gut, es mag sein, dass ähnlich wie in England (wo sich Evolutionsversager mangels Alternativen zum Militär melden) dumme Menschen in den USA keinen anderen Job als irgendwas mit Waffen bekommen. Aber diese Rolle hat man in zu vielen anderen Film schon so gesehen. Egal. Alles andere hat man kaum schon mal so gesehen. Ich bin begeistert. Ein toller, genialer Film mit einem Ende, welches genau so und nicht anders richtig ist. Glückwunsch, Coens.

Nette Anekdote am Rande: Meine Freundin meinte nach ungefähr der Hälfte des Films, der eiskalte Killer und überhaupt der Plot erinnere sie rudimentär an den ersten Terminator. Mir ging es zwar im ersten Augenblick nicht so, schmunzeln musste ich trotzdem, denn den gleichen Gedanken hatte ich ein paar Stunden vorher bereits bei den Fünf Filmfreunden gelesen, ein Blog, das sie gar nicht kennt. Coole Sau, die. Meine Freundin, meine ich.

Trackback URL:
http://sparrenblog.twoday.net/stories/4749997/modTrackback

Michi (Gast) - 2. Mrz, 10:38

Cool!

Danke für den Tipp! Werde ich mir (spätestens nach deiner Einschätzung jetzt) sicherlich auch ansehen!

bielefeldseineperle (Gast) - 3. Mrz, 16:51

"Gut, es mag sein, dass ähnlich wie in England (wo sich Evolutionsversager mangels Alternativen zum Militär melden) dumme Menschen in den USA keinen anderen Job als irgendwas mit Waffen bekommen."

Ja, und alle die in der Bundeswehr sind, sind Nazis.....

Ach ja, immer diese Klischees

mischa_ver-ollet (Gast) - 3. Mrz, 19:47

Nirgends habe ich das behauptet. Und wenn du vorsichtig meine Zeilen liest, wirst du sehen, dass ich genau jene Tatsache anprangere: dass die Coen-Brüder dieses Klischee bedienen.

Was die englische Armee angeht ist es in der Tat so, dass es für viele Kids keine Alternative gibt. Ich weiß nicht, wie es aktuell ist, aber vor einigen Jahren war es noch so, dass man auch als Schulabbrecher zur Berufsarmee konnte. Einen anderen Job gibt es oft leider nicht. Das hat nix mit Klischee sondern mit unserer Gesellschaft zu tun.
bielefeldseineperle (Gast) - 3. Mrz, 22:25

sorry, war vll ein wenig hart, aber ich fand den Begriff "Evolutionsversager" nen bißchen daneben.

es sind nich nur Idioten in der englischen Armee



naja egal, wenigstens können wir uns drauf einigen das No Country For Old Men nen verdammt guter Film is
mischa_verollet - 4. Mrz, 00:00

Ach, das darfste nicht so ernst nehmen mit dem "Evolutionsversager" ;)

Und definitiv einig: NCFOM ist gigantisch!!!