Red Carpet-Blogger
Verfasst von Rouven am 9. Feb, 16:00

Dieter Kosslick wischt zwischen den Terminen hin und her. Mittags, vor dem Photo-Call mit Neil Young, taucht er – für die öffentlichen Medien ganz ungewohnt – mit Trainingsjacke vor den Fotografen auf, tritt durch die Tür, durch die man eigentlich die Rocklegende zu sehen erwartete. Die Knippserschar begrüßt ihn mit einem einstimmigen „Guten Morgen“ und lacht lauthals los, der Chef verkrümelt sich lieber gleich wieder in eine Ecke.
Neben all dem Glanz und Glamour auf den Bildschirmen zuhause und den Bildern in den Magazinen ist die Berlinale eben auch ein Festival. Die Filmfreaks campen nächtelang vor den Ticketcountern und so manch ein Journalist, der neben dir morgens um 9:00 Uhr in der Pressevorführung irgendeines Wettbewerbsfilms sitzt, wirkt deutlich übernächtigt und nimmt lieber noch eine Tüte Schlaf. Da können die Stones noch so sehr von einem Scorsese für die Leinwand in Szene gesetzt worden sein. Die Magengeräusche in den Sitzreihen können sich durchaus mit denen in Literaturseminaren an der Uni messen.
So elitär die Berlinale nach außen hin erscheinen mag, so wenig ist sie es dann auch gelebt. Nach zweieinhalb Tagen weiß ich bereits: Die zentralen Orte des Geschehens bilden prima Äquivalente zu dem, was man als Musikfan bereits kennt. Die Hauptbühne ist der Berlinale-Palast und das Grand Hyatt Hotel ein riesengroßes VIP-Igluzelt.
Auf dem Hurricane war ich das letzte Mal im Jahr 2004 und es fühlte sich in etwa so ähnlich an. Das Bier hat hier zwar seinen Hoheitsgetränkeanspruch gegenüber dem Kaffee deutlich verloren, und selbst der Kaffee droht gegenüber stillem Wasser in die Knie zu gehen, doch der somnambule Zustand, den erkenne ich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte hinweg. Hallo ständig präsente Müdigkeit, da bist du ja wieder. Es ist also Festivalzeit.
Wir stehen unrasiert vor dem Hotel herum und warten auf die Limousinen mit den Stars. Und sollte sich einer von ihnen mal weniger Zeit für die Fans nehmen, sich nicht umdrehen und für den offiziellen Teil einfach in’s Gebäude huschen, dann wird er von der Menge draußen geschlossen ausgebuht (wie z.B. Neil Young, die Sau). Wir gehen dann schnell zum offiziellen Teil, wenn’s geht noch zur Konferenz. Sollte es nicht passen, läuft mit Sicherheit gerade irgendeine Filmvorführung. Kostet ja nix.
So verbringt man den Tag zwischen Filmvorführungen, Pressekonferenzen und im Schreibzimmer der Journalisten, wo selbstverständlich viel zu wenige Plätze vorhanden sind. Man müsste mehr vom Tage haben, um alles das zu erledigen, was man tun möchte.
Untergekommen bin ich bei Mario, einem alten Freund aus der Mindener Zeit. Er wohnt mit seiner Freundin und ihren beiden Kindern am Prenzlauer Berg. Morgens sehen sie mich meist nicht mehr, wenn ich aus dem Haus gegangen bin und abends bekomme ich von ihnen ihre Verwunderung darüber zu hören, dass ich mir wohl alles gebe.
Ich kann dann immer nur entgegnen, dass sie das an meiner Statt ebenfalls nicht anders machen würden. Dem wird dann allgemein zugestimmt. Und ich schreibe vor dem Einnicken noch ein paar kleine Zeilen vor für den kommenden Tag, denn Internetzugang habe ich nur im Pressezentrum.
Dort hetze ich ein und aus, hätte soeben beinahe aufrgund meines Termin-Tunnelblicks das S, das M, das U, das D und das Oooo über den Haufen gelaufen, und muss auch gleich wieder weg. Da ist noch eine Vorstellung, die ich mir (ohne Mittag gegessen zu haben) mitnehmen will.
Gefühlt war ich heute bereits bei Sonntag, bis ich gerade eben erst festgestellt habe, dass doch erst Samstag ist. Anstrengende Tage stehen mir noch bevor. Und die könnt Ihr an dieser Stelle hier auch weiterhin verfolgen. Bis dahin.
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