Markus Freise (anonym) - 1. Feb, 21:20

So oder so. Dies ist kein Kommentar, sondern eine Raumstation!

Erst einmal zum Layout: So ist es gut! Klasse.

Nun zum Thema: „Erwachsen“ ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Das steckt ja schon im Wort: Wachsen. Wie beim „Erwachen“ oder „Erscheinen“. In all dem steckt ein Haufen Dynamik und damit auch ein Haufen Spannung.

Der ganze Trick besteht darin, in allem was man tut - egal wann - ehrlich zu sich selbst zu sein, man selbst zu bleiben. Ganz gleich in welche Rolle man rutscht. Tobi Kunze aus Hannover hat kürzlich einen Text mit dem Titel „Ich spüre das Reihenhaus” (den er sich bei Tobi Hoffmann geliehen hat, den Titel) gelesen. Darin hat er so ziemlich alle billigen Klischees verbraten, die man in dem Thema unterbringen kann. Punkt ist: Auch Steffi und ich schauen nach einer Bleibe. Nicht, weil wir jetzt in dem Alter sind in dem man das muss, sondern in der Situation. Wir sind bald zu viert. Mit zwei kleinen Menschen, die Luft und Leben brauchen, Platz und Natur. Einen Himmel, in den sie Blicken können und in dem Sterne funkeln und keine Straßenlaternen. Denen es nicht genügt, Abends auf einer Treppenstufe zu sitzen, eine zu rauchen und Rotwein zu trinken. Die viel mehr wollen, weil sie wissen, dass es das gibt. Also muss etwas größeres her als unsere 80qm-Stadtwohnung. Etwas, das ihren und unseren Ansprüchen gerecht wird. Dabei haben wir uns auch immer wieder mal ein Reihenhaus angeschaut. Fakt: Nicht in einem Augenblick habe ich Angst vor einem dieser abgedroschenen Klischees gehabt. Denn es ist doch wie es ist, und so habe ich es auch Tobi gesagt: „Mit einem Reihenhaus ist es wie mit meiner Hose: Es kommt drauf an, wer drin steckt. Der Rest ist nur eine Hülle.“ So ist es auch mit dem Leben. Und mit dem Alter. Sei wie du bist, dann gefällst du dir. Der Rest ist nur eine Zahl.

(Anekdote: Mit Steffi habe ich eine Partnerin an meiner Seite, die mir echt alles ermöglicht, was ich machen möchte. Egal wie bescheuert das ist. Ich kenne andere Frauen in unserem Alter, die von ihren Männern eben genau das Gegenteil erwarten: Sich ihrem Alter gemäß zu benehmen. Sie nennen das „Erwachsen“. Ich nenne das „Tot“. (Coupland hat den schönen Satz geschrieben: „Mit 30 gestorben, mit 70 begraben.“) Steffi ist anders! Ich gehe zu Slams, schreibe Romane, habe Freunde, die 10 Jahre jünger sind, ich kaufe Comics und lese die auf dem Klo, ich darf andere Frauen schön finden und fragen ob ich mit ihnen knutschen darf (Nein, darf ich nicht. Nur mit Sarah Kuttner, das wäre okay. Damit könnte sie dann vor ihren Freundinnen angeben. Leider will aber Sarah Kuttner gar nicht mit mir knutschen. Obwohl. Hab sie gar nicht gefragt. Mischa, du hast doch ihre geheime E-Mail-Adresse. Gib mal her!). Zurück: Jedenfalls habe ich deshalb kürzlich zu Steffi gesagt: „Ey, super! Du hältst mich jung.“ Darauf hat sie etwas gesagt, was mir bewiesen hat, wirklich alles richtig zu machen: „Nein Markus, du hältst mich jung.“ Danke! Du bist toll.)

Der wichtigste Punkt ist jedoch, dass man rückblickend immer sagen kann, alles genau so gemacht zu haben, wie man es wollte. Zu jedem Alter. Wir haben mit Playmobil gespielt, Mädchen geküsst, Frauen verrückt gemacht, Bielefeld in Brand gesteckt, Firmen gegründet, Partner gefunden, Kinder gezeugt. ... Nun kommt irgendeine andere Aufgabe. Welche? Scheißegal. Wir werden sie meistern. Und zwar deshalb, weil wir es wollen. Nicht weil wir es müssen.

Lieber Freund Mischa! Du bist in dem Alter, in dem es darum geht, den Weg zu finden und nicht aus der Kurve zu fliegen. Nimm Fahrt auf und lass dir den Wind durch die Eier rauschen. Tue all die Dinge, die du tun willst. Welche das sind. Steh auf, koch dir ein Kaffee und schau in den Spiegel. Der Typ weiß es ganz genau. Nur der. Und kein anderer. Nicht mal Mutti!

Mach es! ... Und was ist mit den Anderen, was sollen die dazu sagen? Die haben doch nur Angst! Sollen sie doch.

mischa_verollet - 1. Feb, 21:23

Markus schrub:

Ich kenne andere Frauen in unserem Alter, die von ihren Männern eben genau das Gegenteil erwarten: Sich ihrem Alter gemäß zu benehmen. Sie nennen das „Erwachsen“. Ich nenne das „Tot“. (Coupland hat den schönen Satz geschrieben: „Mit 30 gestorben, mit 70 begraben.“)

Ja. Genau so. Genau SO! Danke. Auch und vor allem für die letzten beiden Absätze. Mag dich, Digger!
Markus Freise (anonym) - 1. Feb, 21:36

Gerne. ... Was jetzt mit der E-Mail-Adresse!? ;-)

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