Freitag, 1. Februar 2008

Coming of age


Kleiner Junge mit großen Augen

Wir werden älter, daran führt kein Weg vorbei. Aber wann zum Henker weiß man, dass man erwachsen ist?

Kennt ihr das auch? Als Kind hatte ich die etwas verquere Vorstellung, dass sich mit 18 ein unsichtbarer Schalter umlegen würde und schnipp – man wäre erwachsen, mit allem was dazugehört, sprich: mind, body and soul. Dazu gehörte in meinem Fall zum Beispiel, dass ich der festen Überzeugung war, mit 18 endlich Zwiebeln zu mögen. Was natürlich quatsch ist, ich mag nach wie vor keine Zwiebeln (übrigens eine der wenigen persönlichen Anekdoten, die ich in meinem sonst fiktiven Roman verewigt habe). Wie überhaupt der Begriff "Erwachsen werden" quatsch ist.

Worauf ich hinaus will: Erwachsen werden ist scheinbar bloß ein Begriff, eine gesellschaftliche Norm, die besagt, dass Menschen Pi mal Daumen mit 18 mündig sind, gewisse Dinge zu tun, die sie vorher nicht durften. Aber so wie ich das sehe, wird man nicht von heute auf morgen erwachsen, es ist kein Gesamt-Paket, kein ServicePack der Natur. Das Leben ist ja kein Jump-and-Run-Game, bei dem man ein neues Level erreicht, wenn man Parcours X in Zeit Y abgearbeitet hat. Es ist vielmehr so, dass man in verschiedenen Bereichen des Lebens eine gewisse Reife durch Erfahrung und Erlebnisse entwickelt oder erlangt. Das Leben ist also mehr ein RPG, bei dem man durch Kämpfe und Quests (=Erfahrungen und Erlebnisse) Reifepunkte erwirbt. Im Großen und Ganzen bleibt man immer der Mensch, der man mit sechs oder sieben Jahren bereits war. Was sich bloß ändert, sind die kleinen Dinge. Ich weiß, das klingt jetzt vermutlich hanebüchen, aber ich versuche es anhand von einigen Beispielen zu erklären.

Zurück zum umgelegten Schalter. Weder mit 18, noch mit 20 oder 26 änderte sich entgegen meiner kindlichen Erwartung etwas grundlegendes in mir, es gab keinen Knall und schnipp, ich war erwachsen. Im Gegenteil, bis vor kurzem fragte ich mich ernsthaft, ob ich irgendwann „dieses Gefühl“ haben würde, erwachsen zu sein. Nicht, dass ich es wollte, aber irgendwie spürte ich diesen gesellschaftlichen Druck: "Du bist 26, werd ma langsam erwachsen!", wie so ein Teufelchen auf der Schulter.

Richtig, Teufelchen. Ich fühle mich im Großen und Ganzen einfach immer noch wie der Mischa, der mit 8 oder 9 Jahren auf dem heimischen Teppich mithilfe von Legosteinen Fantasiewelten errichtete und Mittwochs in der Stadtbibliothek in Spirou und Fantasio-Comics versank. Meine Freundin bestätigt das, sie sagt, dass sie an mir schätzt, dass ich so begeisterungsfähig bin, dass ich in vielen Situationen immer noch der kleine Junge bin, der mit großen Augen fasziniert und neugierig die Welt betrachtet. Das ist etwas, dass ich mir – genauso wie das Lampenfieber auf der Bühne – lange behalten möchte. Ich nenne es eine gewisse kindliche Grundnaivität. Gleichzeitig fragte ich mich, wie gesagt, oft, ob ich irgendwann erwachsen würde.

Und dann hatte ich es erstmals vor Kurzem, "dieses Gefühl". Die Situation: Freunde von mir, jünger als ich, wollten weggehen. Unbedingt. Obwohl sie total kaputt waren und eigentlich lieber daheim geblieben wären. Aber man sah ihnen förmlich an, dass sie Angst hatten: Wenn ich jetzt zu Hause bleiben, werde ich etwas verpassen, keine Ahnung was, aber ich werde es verpassen. Sie sind natürlich weg. Und plötzlich, in dem Augenblick, wusste ich, dass ich in einem gewissen Bereich meines Lebens erwachsen geworden war. Denn vor ein paar Jahren war ich genauso. Wenn ich nicht jeden Samstag weggegangen bin, hatte ich dieses Unruhe in mir, das Gefühl etwas zu verpassen. Jetzt weiß ich, dass es nicht schlimm ist, zu Hause zu bleiben, im Gegenteil, es sogar wunderbar ist, Abende auf dem Sofa, mit einer netten DVD oder einem netten Buch, zu verbringen. Man verpasst nichts Weltveränderndes. Etwas, das ich erst in letzter Zeit gelernt habe. Ich blieb also mit einem Lächeln zu Hause und dachte keine Sekunde weiter darüber nach, was ich in jenem Augenblick versäumte. Ich war glücklich mit meiner Wahl. Früher hatte ich unterschwellig oft gehofft, niemals erwachsen zu werden, aber ehrlich gesagt bin ich über die Reife in diesem Teilbereich froh: Es macht das Leben entspannter.

Wisst ihr, was ich meine? Es sind diese kleinen Dinge, die zeigen, dass man erwachsen, älter wird. Und mit jeder Altersstufe sind es andere kleine Dinge. Filme zum Beispiel: Streifen, die ich als Kind, wenn ich sie mit meinen Eltern schaute, furchtbar fand ("Breakfast at Tiffany’s", z.B.) entdecke ich neu für mich. Bei meinem guten Freund Markus (knappe zehn Jahre älter als ich) merke ich es an der Tatsache, dass er verstärkt WDR 5 hört in letzter Zeit. Das Beispiel meine ich keineswegs spöttelnd, aber ich persönlich würde im Traum (noch) nicht auf die Idee kommen, WDR 5 einzuschalten. Es verschieben sich mit dem Alter einfach Prioritäten, Interessen und Neigungen. RPG eben: Am Anfang möchte man mit dem Kurzschwert alles kurz und klein hacken, Attacke, voll auf die Zwölf, aber nach vier Stunden Spielzeit weiß man um die Vorzüge des strategischen Vorgehens oder so und genießt, zwischen den Kämpfen, auch mal die Landschaft.

Und somit ist der Begriff "erwachsen werden" so wie wir ihn kennen, der ja in der Wahrnehmung so eng mit der Altersstufe 18 - 21 und gesellschaftlichen Erwartungen verknüpft ist, nicht korrekt. Man reift in Teilbereichen des Lebens, in anderen eben nicht. Könnt ihr nachvollziehen, was ich meine? Hattet ihr auch irgendwann das erste Mal "dieses Gefühl", erwachsen zu sein?

(Bild: photocase.com)

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amazeman (anonym) - 1. Feb, 21:15

Jo, so kenn ich dieses Gefühl auch ;-) Der größte Unterschied zwischen damals als richtiges Kind und heute ist bei mir, dass ich früher dachte, dass alles sone göttliche Fügung hat (das aber total unreligiös). Für mich war klar, dass alles was funktionieren soll super funktioniert - das ein Bundeskanzler ein quasi ehrenwerter Gott ist und große Firmen ganz genau wissen was sie tun und was gut ist und das sie immer recht haben.

Das ist heute anders, alles ist total entzaubert... - mehr hat sich seit dem nicht geändert...

Aber wer weiß, ich bin ja der Hoffnung, dass man erwachsen wird, wenn man eigene Kinder bekommt - vielleicht ist das ja dann der umgelegte Schalter...

mischa_verollet - 1. Feb, 21:19

Stimmt, dass kindliche Mythen entzaubert werden, das gehört definitiv dazu. Guter Gedanke!
Markus Freise (anonym) - 1. Feb, 21:21

Zeugt Kinder. Dann kommen die Mythen wieder.
mischa_verollet - 1. Feb, 21:24

Daran musste ich denken. Als ich letztens irgendwo las, wie eine Mutter meinte, dass sie die ganze Welt neu und wieder entdeckt, seitdem ihre kleine Tochter da ist.
Markus Freise (anonym) - 1. Feb, 21:20

So oder so. Dies ist kein Kommentar, sondern eine Raumstation!

Erst einmal zum Layout: So ist es gut! Klasse.

Nun zum Thema: „Erwachsen“ ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Das steckt ja schon im Wort: Wachsen. Wie beim „Erwachen“ oder „Erscheinen“. In all dem steckt ein Haufen Dynamik und damit auch ein Haufen Spannung.

Der ganze Trick besteht darin, in allem was man tut - egal wann - ehrlich zu sich selbst zu sein, man selbst zu bleiben. Ganz gleich in welche Rolle man rutscht. Tobi Kunze aus Hannover hat kürzlich einen Text mit dem Titel „Ich spüre das Reihenhaus” (den er sich bei Tobi Hoffmann geliehen hat, den Titel) gelesen. Darin hat er so ziemlich alle billigen Klischees verbraten, die man in dem Thema unterbringen kann. Punkt ist: Auch Steffi und ich schauen nach einer Bleibe. Nicht, weil wir jetzt in dem Alter sind in dem man das muss, sondern in der Situation. Wir sind bald zu viert. Mit zwei kleinen Menschen, die Luft und Leben brauchen, Platz und Natur. Einen Himmel, in den sie Blicken können und in dem Sterne funkeln und keine Straßenlaternen. Denen es nicht genügt, Abends auf einer Treppenstufe zu sitzen, eine zu rauchen und Rotwein zu trinken. Die viel mehr wollen, weil sie wissen, dass es das gibt. Also muss etwas größeres her als unsere 80qm-Stadtwohnung. Etwas, das ihren und unseren Ansprüchen gerecht wird. Dabei haben wir uns auch immer wieder mal ein Reihenhaus angeschaut. Fakt: Nicht in einem Augenblick habe ich Angst vor einem dieser abgedroschenen Klischees gehabt. Denn es ist doch wie es ist, und so habe ich es auch Tobi gesagt: „Mit einem Reihenhaus ist es wie mit meiner Hose: Es kommt drauf an, wer drin steckt. Der Rest ist nur eine Hülle.“ So ist es auch mit dem Leben. Und mit dem Alter. Sei wie du bist, dann gefällst du dir. Der Rest ist nur eine Zahl.

(Anekdote: Mit Steffi habe ich eine Partnerin an meiner Seite, die mir echt alles ermöglicht, was ich machen möchte. Egal wie bescheuert das ist. Ich kenne andere Frauen in unserem Alter, die von ihren Männern eben genau das Gegenteil erwarten: Sich ihrem Alter gemäß zu benehmen. Sie nennen das „Erwachsen“. Ich nenne das „Tot“. (Coupland hat den schönen Satz geschrieben: „Mit 30 gestorben, mit 70 begraben.“) Steffi ist anders! Ich gehe zu Slams, schreibe Romane, habe Freunde, die 10 Jahre jünger sind, ich kaufe Comics und lese die auf dem Klo, ich darf andere Frauen schön finden und fragen ob ich mit ihnen knutschen darf (Nein, darf ich nicht. Nur mit Sarah Kuttner, das wäre okay. Damit könnte sie dann vor ihren Freundinnen angeben. Leider will aber Sarah Kuttner gar nicht mit mir knutschen. Obwohl. Hab sie gar nicht gefragt. Mischa, du hast doch ihre geheime E-Mail-Adresse. Gib mal her!). Zurück: Jedenfalls habe ich deshalb kürzlich zu Steffi gesagt: „Ey, super! Du hältst mich jung.“ Darauf hat sie etwas gesagt, was mir bewiesen hat, wirklich alles richtig zu machen: „Nein Markus, du hältst mich jung.“ Danke! Du bist toll.)

Der wichtigste Punkt ist jedoch, dass man rückblickend immer sagen kann, alles genau so gemacht zu haben, wie man es wollte. Zu jedem Alter. Wir haben mit Playmobil gespielt, Mädchen geküsst, Frauen verrückt gemacht, Bielefeld in Brand gesteckt, Firmen gegründet, Partner gefunden, Kinder gezeugt. ... Nun kommt irgendeine andere Aufgabe. Welche? Scheißegal. Wir werden sie meistern. Und zwar deshalb, weil wir es wollen. Nicht weil wir es müssen.

Lieber Freund Mischa! Du bist in dem Alter, in dem es darum geht, den Weg zu finden und nicht aus der Kurve zu fliegen. Nimm Fahrt auf und lass dir den Wind durch die Eier rauschen. Tue all die Dinge, die du tun willst. Welche das sind. Steh auf, koch dir ein Kaffee und schau in den Spiegel. Der Typ weiß es ganz genau. Nur der. Und kein anderer. Nicht mal Mutti!

Mach es! ... Und was ist mit den Anderen, was sollen die dazu sagen? Die haben doch nur Angst! Sollen sie doch.

mischa_verollet - 1. Feb, 21:23

Markus schrub:

Ich kenne andere Frauen in unserem Alter, die von ihren Männern eben genau das Gegenteil erwarten: Sich ihrem Alter gemäß zu benehmen. Sie nennen das „Erwachsen“. Ich nenne das „Tot“. (Coupland hat den schönen Satz geschrieben: „Mit 30 gestorben, mit 70 begraben.“)

Ja. Genau so. Genau SO! Danke. Auch und vor allem für die letzten beiden Absätze. Mag dich, Digger!
Markus Freise (anonym) - 1. Feb, 21:36

Gerne. ... Was jetzt mit der E-Mail-Adresse!? ;-)
Bosse (anonym) - 1. Feb, 21:29

Gerade durch Zufall auf der twoday-startseite entdeckt und

Danke! Danke für diesen Text, liebes sparrenblog. Spricht mir so aus der Seele! Und ich möchte dieses wunderbare Video + Lied ins Rennen werfen, irgendwie passt es: http://www.youtube.com/watch?v=-YUxbDEPFiM

@Markus: Schöne Worte.

Björn (anonym) - 1. Feb, 21:49

"Man ist so alt wie man sich fühlt."

:-)

mischa_verollet - 2. Feb, 13:25

5 Euro ins Phrasenschwein, mein Lieber ;)
Marcel (anonym) - 2. Feb, 14:19

Hmh,sehr interessantes Thema.

Ein Blick in meinen Perso zeigt mir, dass ich stramm auf die 40 zugehe.
Komisch ist nur, dass ich mich gar nicht so "alt" fühle.
Ok, ich gebe zu, dass der körperliche Verfall schon lange eingesetzt hat (Rücken, Kreislauf, Füße etc.). Aber ich versuche durch leichten Sport dagegen zu halten, und bis jetzt klappts ganz gut.

Im übrigen scheine ich eh immer so 10 Jahre hinterher zu hinken. Das zieht sich irgendwie durch mein ganzes Leben. Ok,vielleicht nicht in den ersten 10 Jahren. Sonst wäre ich als neugeborenes Baby ja "minus zehn" gewesen...
Aber meine Mutter erzählt heute immer noch gerne, bei allen unpassenden Gelegenheieten, dass ich ja schon immer ein Spätzügler gewesen sei.

Ich habe auch keinen geradelinigen Weg genommen. Hab mein Abi erst mit 28 gemacht, die 10 Jahre vorher so rumgejobbt und auf der Suche gewesen, während so ziemlich alle meine ehemaligen Klassenkameraden, schon ehelichten, 2 Kinder, 1 Bausparvertrag und einen Beruf haben, indem sie eigentlich unglücklich sind (das sind dann die, die mit 40 ihre Krise kriegen, Frau und kinder verlassen und mit dem Motorrad über die Route 66 düsen, weils sie das ja eigentlich schon immer machen wollten...).

Vor einigen Jahren habe ich durch Zufall einen meiner alten Chefs getroffen. Als ich ihm erzählte, dass ich mit knapp 30 mein ABI nachholen würde, um dann noch zu studieren, hat der mich mit grossen Augen angeschaut und kopfschüttelnd gemeint, dass es im Leben nur darum ginge, rechtzeitig zu wissen was man wolle...

Da habe ich mich dermassen unerwachsen gefühlt. Mich durch diese verbale Ohrfeige, geradezu schmerzhaft, als kleines dummes Kind gefühlt.
Und dann habe ich gedacht, Scheiß drauf was ihr denkt und sagt! Ich habe anchscheinend einen anderen Weg eingeschlagen als ihr, was solls.
Und das ist meine Einstellung geblieben. Leben und leben lassen.

Ob ich heute erwachsen bin...keine Ahnung. Ich hoffe nicht!
Wenn erwachsen sein bedeutet, das Gefühl zu haben, man hätte alles schon mal gesehen, gehört und gefühlt und nichts könne einen mehr so richtig begeistern (wie als Kind)...dann möchte ich auf keinen Fall erwachsen werden. Leider haben bei mir auch in diesen Fällen schon "Abnutzungserscheinungen" eingesetzt.
Aber ich versuche auch hier gegen zu arbeiten, indem ich mir einfach sage, dass die Welt nicht zwangsläufig entzaubert sein MUSS. Meine Erfahrung ist, dass man in den kleinsten Dingen einen Zauber entdecken kann. Man sollte eben versuchen "offen", im Sinne von "nicht mental verstarrt" durchs Leben gehen. Eine "Entzauberung" passiert nur, wenn man es zulässt!
Wo man sich, in den ersten zwanzig bis dreissig Jahren, vielleicht eher an den groben und lauten Dingen erfreut hat, kann man nun in den feinen Details den Zauber wieder- oder neuentdecken. Neugierig bleiben, sich nicht von anderen verbiegen lassen und auf Herz und Bauch hören. Und wenn sich das nicht gegenseitig ausschliesst, dann auch erwachsen werden.
Lampe (anonym) - 2. Feb, 18:02

Viel wahres fand ich in diesen Zeilen. Sehr schön Mischa... und auch Markus.

... und ich höre auch WDR5... was will man auch machen wenn man viel Auto fahren muss und keine Zeit für ne Zeitung hat?

Übrigens: Ich bin wider da. 20. Feb? Ihr habt mir gefehlt.

mischa_verollet - 2. Feb, 18:32

Schön, dass du wieder da bist. Wir sehen uns am 20. Februar!
leuchtelichtchen (anonym) - 2. Feb, 19:12

nun, bei mir es eher so rum: ich bin früh eingeschult worden und meine freunde sind bisher immer alle älter als ich gewesen...einige 10 Jahre und mehr (--> wobei das nicht an der schule liegt). wenn wir etwas unternehmen oder uns einfach nur unterhalten macht das keinen unterschied: wer denkt schon an alter wenn man sich im gespräch und im leben auf der gleichen wellenlänge befindet? gar niemand! denn wenn mir mir nahe stehende menschen sagen, wie toll sie es finden wie ich mich von dingen so begeistern lassen kann, die andere als selbstverständlich empfinden oder gar nicht mehr sehen und wie ich mit "kindlicher" freude dinge entdecke...dann erwärmen sie sich wohl durch mich an kleinen sonnenstrahlen im alltag, ohne mich dabei weniger für voll zu nehmen. und wenn sie mir dann im gleichen atemzug sagen, dass ich wohl durch auslandsaufenthalte etc. so "reif" sei, wie leute die einiges älter sind als ich häufig nicht sind, dann kann ich diesen abgedroschenen spruch von ganzem herzen sagen: man ist nur so alt wie man sich fühlt - und mit einem augenzwinkern etwas alternativer: man ist nur so alt, wie man sich gibt...( im hinblick auf leute, die einige aktionen die man so startet für nicht angemessen für das jeweilige alter halten). Ich kann genau so "kindisch" sein wie ich will und gleichzeitig aber auch genauso "erwachsen"!

PS: hab grad nochmal durchgelesen, was ich geschrieben habe...hört sich fast widersprüchlich an..ist es aber nicht. es ist nur ein weiterer beweis dafür, dass es "alter" und "erwachsen" nicht als feststehende konstrukte geben kann, sondern ne menge interpretation dahinter steckt.

@irsign (anonym) - 3. Feb, 01:11

Man definiere mir erwachsen und ich sage dir, ob ich das bin/fühle.
Ich denke ein Mensch verändert sich ständig, bis an sein Lebensende, schon alleine durch die Erfahrungen die man macht und das was man erlebt. Insofern würde ich sagen ist man mit 6 erwachsener als mit 3 und mit 16 erwachsener als mit 13. Immer an sich selbst gemessen.
Den körperlichen Verfall, den begann ich leider schon vor der großen 3 so langsam an zu spüren. Heißt das, dass man erwachsen wird?

Brohm (anonym) - 3. Feb, 09:02

todsicheres zeichen dafür, dass Sie erwachsen sind: Sie reden darüber wie jung Sie geblieben sind. zwinker zwinker

@irsign (anonym) - 3. Feb, 17:35

Und kaufen sich einen roten Sportwagen.
christina (anonym) - 3. Feb, 21:34

Ein toller Beitrag. Ich hatte kürzlich 3 Wochen Urlaub und, im Gegensatz zu sonst, viel Zeit zum Nachdenken. Und genau über diese Gefühl von Erwachsen sein hab ich gegrübelt.

Als meine Freundinnen noch jedes Wochenende um die Häuser zogen, studierten und längere Zeit am anderen Ende der Welt verbrachten, bekam ich meine erste Tochter. Mittlerweile habe ich drei Töchter. Die besten der Welt :-) Das veranlasste mich zu ständigem grübeln von altersgemäßem Lebensstil und so 'nem Quatsch. War ich plötzlich erwachsen? Ich war eine Ausnahme aber: so was von glücklich!

Zurück zum Urlaub: Als ich durch die Hotelanlage schlenderte, stellte ich plötzlich fest, dass ich mich noch immer genauso fühlte, wie 1996, als wir den geilsten Urlaub aller Zeiten auf Mallorca verbrachten hatten. Aber wie kann das sein? Schließlich bin ich doch jetzt eine Mutter. Eine Ehefrau. Mit Haus und Garten (um die genannten Klischees wieder zu bedienen). Und da fiel mir ein, was ein alte Freundin am alljährlichen Vorweihnachtstreffen zu mir sagte: „Also Christina wenn ich dich sehe, möchte ich auch sofort Kinder. Du bist gar nicht so 'ne Mami. Du bist immer noch die alte Stina. Nur mit Kindern.”

Ich bin wohl erwachsen, aber: ich bin jung – und ich!

mischa_verollet - 4. Feb, 07:59

Sehr cool :)
Markus Freise (anonym) - 4. Feb, 20:38

Das ist meine Schwester! Die ist super!
Karsten (anonym) - 4. Feb, 00:47

Hochinteressant

Ja,

das ist in der Tat eine sehr anregende Flut an Beiträgen. Vieles, das bisher gesagt wurde, spricht mir direkt aus der Seele. Als kleine Ergänzung: Ich bin jetzt mittlerweile fast 40 und habe mich vor kurzem selbst mal gefragt, ob ich noch einmal 20 sein möchte.

Nein, möchte ich nicht, ist die Antwort. Weil ich nicht irgendeiner Grundsatzentscheidung nachtrauere, die ich irgendwann mal getroffen habe. O. K., im Detail hätte ich das ein oder andere sicherlich anders gemacht, aber das finde ich nicht wichtig. Aktuell bin ich gerne fast 40. Wer weiß, ob ich mit 50 auch gerne 50 bin usw.

Ich gehe davon aus. Was mir beim Wachsen sehr hilft, ist, dass ich mich gerne sowohl mit älteren als auch jüngeren Freunden/Bekannten/Mitarbeitern/Kunden etc. austausche. Ich liebe die unterschiedlichen Sichtweisen.

christina (anonym) - 4. Feb, 11:22

also das spricht mir wieder aus der Seele. Und wenn es so weitergeht bin ich sicher gerne mal fünfzig – in 22 Jahren. Ui! Ist schon spannend.

Was noch niemand geschrieben hat: Ich denke, keiner hier stört sich am eigentlichen Alter. Das ärgerliche am älter werden ist aber doch einfach, daß einem dann irgendwann die Zeit wegläuft. Gruselig. Hab' schon ne Gänsehaut...