spam (Gast) - 12. Apr, 19:39

Es geht auch um die Art und Weise ...

Hier hat der geneigte Leser aufgrund der Darstellung des Firmenlogos an prominenter Stelle und der 1:1-Übernahme von Marketing-Blabla eindeutig den Eindruck, es handele sich um Werbung. Für den Leser und Verbraucher wichtige Informationen fehlen hingegen.

Natürlich darf eine Bielefelder Zeitung über neue Produkte eines Bielefelder Grossunternehmens berichten. Allerdings darf man hierfür nicht nur die Werbebroschüre des Unternehmens als Informationsquelle nutzen und diese einfach abschreiben. Echte Journalisten holen sich ihr Informationen aus mehreren verschiedenen Quellen und schreiben daraus den Artikel selbst.

Hier fehlen wichtige Informationen für den Leser und kritischen Verbraucher. Dass die Pizza lecker ist muss jeder Kunde selbst feststellen. Aber wohner bezieht Oetker denn die Bio-Zutaten und wer kontrolliert das? Was macht der Wettbewerb auf dem Tiefkühl-Pizza-Markt und inwiefern unterscheidet sich dieses Produkt von denen des Wettbewerbes? Wo ist der Hinweis, dass die Einführung eines Bio-Produktes ja mehr als spät erfolgt (im Vergleich zum Wettbewerb) und wahrscheinlich nur aufgrund der Tatsache überhaupt erfolgt, dass Oetker keine Marktanteile an Wettbewerber verlieren möchte, die bereits viel früher Bio-Produkte angeboten haben? Fragen über Fragen ...

Ich stelle mir gerade vor, auf der oberen Hälfte der Titelseite der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" prangt morgen ein Farbfoto von einem Banker, der einen Verkaufsprospekt der Deutschen Bank in die Kamera hält. Und dazu ein Artikel über die neusten geilen Geldanlageprodukte der Deutschen Bank. Statt "knusprig" und "lecker Sauce" halt irgendein Rendite-Blabla und dass man bei der Deutschen Bank sein Geld neuerdings auch in ethisch verantwortungsbewusste Produkte investieren kann usw. DIE KÖNNTEN EINPACKEN!!

Jan (Gast) - 12. Apr, 22:49

alles nicht soooo schlimm

Hallo!

Ich halte die Diskussion für etwas übertrieben. Der Hinweis der NW auf ein neues Produkt von Oetker ist doch legitim. Oetker gehört zu Bielefeld wie der Bär zu Berlin und ist ein positiver Bestandteil der Stadt, sei es als Arbeitgeber, Stifter oder auch als Produzent einwandfreier und qualitativ hochwertiger Produkte. Na gut, man kann trefflich darüber streiten, ob dies nun auf Seite 1 geschehen muss, aber es gibt wohl insgesamt andere wichtige Themen, die genauso gerne und intensiv besprochen werden möchten...

Zu der Pizza an sich und dem Gütesiegel habe ich mal etwas zusammgetragen
(Quellen: Oetker,de, wikipedia und http://ec.europa.eu/agriculture/qual/organic/logo/index_de.htm):


Bestandteile und Eigenschaften Dr. Oetker Bio-Speciale / normal - Speciale:

BIO:

Brenn- und Nährwerte pro Portion pro 100g
Brennwert (kJ): 3.564 1.064
Brennwert (kcal): 851 254
Eiweiß (g): 34,5 10,3
Kohlenhydrate (g): 83,1 24,8
Fett (g): 41,9 12,5


NORMAL:

Brennwert (kJ): 3.462 1.049
Brennwert (kcal): 828 251
Eiweiß (g): 35,6 10,8
Kohlenhydrate (g): 76,2 23,1
Fett (g): 41,9 12,7



Allergene Zutaten BIO


* Glutenhaltiges Getreide
* Milcheiweiß
* Milchzucker (Lactose)

Bei den laut Gesetz kennzeichnungspflichtigen Zutaten handelt es sich um: Glutenhaltiges Getreide, Erdnusseiweiß, Nusseiweiß, Fischeiweiß, Krustentiereiweiß, Hühnereieiweiß, Milcheiweiß, Milchzucker (Lactose), Sellerie, Senf, Schwefeldioxid, Sojaeiweiß, Sesameiweiß.

Allergene Zutaten NORMAL:


* Glutenhaltiges Getreide
* Sojaeiweiß
* Milcheiweiß
* Milchzucker (Lactose)
* Sellerie

Bei den laut Gesetz kennzeichnungspflichtigen Zutaten handelt es sich um: Glutenhaltiges Getreide, Erdnusseiweiß, Nusseiweiß, Fischeiweiß, Krustentiereiweiß, Hühnereieiweiß, Milcheiweiß, Milchzucker (Lactose), Sellerie, Senf, Schwefeldioxid, Sojaeiweiß, Sesameiweiß.


UNTERSCHIEDE:

Das Bioprodukt enthält minimal weniger Kohlenhydrate, ist aber leicht kalorienreicher. Bei der Zutatenliste ist bei den separat genannten allergenen Zutaten bei dem Bioprodukt das Sojaeiweiß nicht genannt. Die kennzeichnungspflichtigen Zutaten beider Pizzen sind identisch.



Dann zu dem Biosiegel, welches als "unsicher" oder "selbsternannt" kritisiert wird. Es handelt sich hierbei um das sogenannte "deutsche staatliche Biosiegel" und ist damit meiner Ansicht nach recht vertrauenswürdig. Hier die Details zu dem Siegel:


Das deutsche staatliche Bio-Siegel ist ein sechseckiges, grün-schwarz-weißes Symbol, mit dem in Deutschland seit September 2001 Lebensmittel und andere Produkte gekennzeichnet werden können, die den Kriterien der EG-Öko-Verordnung genügen. Wie alle Gütesiegel soll auch das Bio-Siegel eine Orientierungshilfe für den Verbraucher bieten. Mit zunehmender Marktdurchdringung in Deutschland wächst auch sein Bekanntheitsgrad in den angrenzenden Staaten, vor allem Frankreich.

Demnach dürfen mit dem Siegel gekennzeichnete Lebensmittel

* nicht zur Konservierung radioaktiv bestrahlt werden,
* nicht durch gentechnisch veränderte Organismen erzeugt werden,
* nicht mit Einsatz von synthetischen Pflanzenschutzmitteln und
* nicht mit Hilfe von leicht löslichen mineralischen Düngern erzeugt werden,
* jedoch bis zu 5 % konventionell erzeugte Bestandteile enthalten.

Es wird gefordert,

* Fruchtfolgen (Zwei-, Drei- und Vierfelderwirtschaft) abwechslungsreich zu gestalten,
* Tiere artgerecht zu halten und
* mit ökologisch produzierten Futtermitteln ohne Zusatz von Antibiotika und Leistungsförderern zu füttern.

Im Jahr 2004 wurde das 20.000. Produkt mit dem Bio-Siegel ausgezeichnet. Ende Oktober 2006 nutzten 1.814 Unternehmen das Siegel für 33.862 Produkte.

Das Bio-Siegel kennzeichnet die Produkte, die mindestens den Anforderungen der EU-Öko-Verordnung genügen. Darüber hinaus gibt es private Label, die andere, teilweise strengere Anforderungen stellen.

Bio-Produkte sind nicht notwendigerweise naturbelassene Lebensmittel, da die Zugabe von künstlich hergestelltem Aroma zur Geschmacksverbesserung eingeschränkt erlaubt ist [1]. Der Zusatz von Aromastoffen ist erlaubt, wenn es sich um natürliche oder naturidentische Aromen handelt. Folgeprodukte mit Zutaten aus ökologischem Anbau werden ohne Geschmacksverstärker hergestellt.


Vielleicht kann man mit diesen Informationen eher abschätzen, ob man nun evtl. dieses Produkt mal probiert. Es ist ja jedem freigestellt, dies zu tun, Dr. Oetker bietet nur ein neues Produkt mit neuen Eigenschaften an. So schlimm ist das gar nicht....

bis bald, Jan
jan@jambass.de
Dominik (Gast) - 13. Apr, 00:19

Jan: Doch, das ist es, leider. Nicht, weil es um Pizza geht, sondern generell um die Frage, was Journalismus ist und was nicht. Es geht hierbei nicht um die Frage, ob die NW nicht über eine Produktneuheit eines lokalen Unternehmens berichten sollte, es geht um da wie.

Ein konstruiertes Beispiel: Ein lokaler Versicherungskonzern bietet eine supertolle neue Versicherung an. Super Gewinne am Jahresende, viele hundert Arbeitsplätze. Und wer von uns hat keine Versicherung? Jeder natürlich. Also schnell einen Artikel darüber auf der Titelseite und eine Seite im Lokalteil opfern. Der Marketingleiter dort kennt auch praktischerweise wen vom Lokalblatt aus Schulzeiten. Und die Berichterstattung bringt auch tatsächlich einige hundert Abschlüsse. Dumm nur, dass am Jahresende nach einem "mangelhaft" der Stiftung Warentest das Unternehmen dem Ruin zuschliddert und die Leistungen nicht denen PR-Text veröffentlichten übereinstimmen. Weil die schlicht gelogen waren. Schade eigentlich.

Ist das auch halb so schlimm?
Journalismus ist und darf keine Werbung sein. Und das hat gute Gründe.

beste Grüße
Dominik
Lampe (Gast) - 16. Apr, 10:38

ähh...

Also ich kann es nicht leiden wenn die großen tollen Tageszeitungen in den Himmel gelobt werden in dieser Diskussion. Sagen wir einfach, sie machen ihre Sache, was Werbung und Content angeht besser als das hier diskutierte Beispiel. Ich lese gerne mal die FAZ, wenn ich dazu komme. Und dort stolpert man immer mal wieder Berichte bezüglich Rente usw. Dort werden sicherlich die Dinge vernünftig dargestellt, jedoch ab und an auch mal Schlüsse gezogen, die einem Unbedarften Angst machen könnten. Und dann ist sicherlich nur der Zufall im spiel, das in der Nähe des Artikels eine Anzeige der Alianz Rentenversicherung steht.

Um jetzt mal bieblisch zu werden: Ich würde sagen, das keine Zeitung den ersten Stein werfen darf.

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