Tag 4 und 5: Aber dann kam Kling!
Verfasst von mischa_verollet am 12. Nov, 23:05
Und ich habe es am samstäglichen Nachmittag noch gesagt: Marc-Uwe Kling wird deutscher Meister! Denn was dieser im Halbfinale im Volkstheater geboten hatte war Poetry Slam erster Güteklasse! Bereits beim Storyteller-Slam, bei dem er unserem Schuster unterlag, hatte er restlos überzeugt. Und wer ist der neue deutsche Poetry Slam-Meister? Marc-Uwe Kling!

Slam-Champ Marc-Uwe Kling, fotografiert von Sacha Storz
Und mit dem unglaublich coolen sympathischen jungen Mann aus Frankfurt / Oder hat der wohl durchgeknallteste und beste Slammer des Turniers gewonnen! Da bestand kein Zweifel, vielleicht kurz, als Felix Römer seinen bewegenden und sehr traurigen Text über seinen Großvater herausholte und die Zuschauer in den Kammerspielen zu Standing Ovations hinriss.

(Foto: Henrik Bollermann)
Aber dann kam Kling, skandierte seinen Text "Ich hol' mir einen Praktikanten", stellte alles bisher Dagewesene in den Schatten und das wunderschöne Theater schräg gegenüber vom Nationaltheater stand Kopf. Mit seinem Finaltext knackte er die 29 Punkte-Marke und war somit der Sieger des slam 2006, und ist automatisch für die nächsten Meisterschaften qualifiziert. Verdient und zugenäht!

(Foto: Henrik Bollermann)
Markus und mein persönlicher Tageshöhepunkt (und ich meine jetzt nicht das von uns gefeierte drei zu null der Blauen in Frankfurt) startete ein paar Stunden vorher im Literaturhaus München. Wir hatten die große Ehre, das dritte Halbfinale moderieren zu dürfen! Ich zitiere Hen: "Und was für ein Halbfinale das war – ganz große Namen und ganz große Texte, die unsere Bielefelder Jungs mit ihren Arminia-Trikots da souverän an- und absagten. Und das alles vor einer Kulisse, die zum einen Teil aus Slammern und zum anderen Teil aus gutsituierten und fein gemachten Großstadtintellektuellen jeden Alters bestand, die mal mit einem süffisanten Lächeln oder wohligem Schauern gucken wollten was „der Underground“ so hermacht."

Knapp 400 frenetische Zuschauer im Literaturhaus beim wohl heißesten Halbfinale des Slam 2006! (Foto: Henrik Bollermann)
Als wir uns die Aufstellung durchlasen, konnten wir es kaum fassen: Durch die Bank große Namen der Szene: Ex-Deutscher Meister Lasse Samström, Ex-Deutscher Meister Gabriel Vetter, die sensationellen SMAAT-Jungs Felix Römer und Lars Ruppel, der einzigartige Florian Graf H.H. von Hinten, der sehr emotionale Rapper Telhaim, und und und. Dazu ein Sacrifice von Wwalt Koslowsky - und mittendrin wir, die sich ob dieser großen Namen wie kleine Schuljungen freuten und verdammt nervös waren. Aber wir haben unsere Sache wohl ganz gut gemacht, wie die Slammerkollegen uns bescheinigten. Danke! Und keine leichte Sache, denn knapp 400 fanatische Slamfans und "Großstadtintellektuelle" muss man erstmal in den Griff bekommen. Ich habe jetzt noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie wir fußballstadionmäßig die Aufstellung vorlasen, und das gesamte Publikum die Nachnamen der Slammer schrie. Genial! Kurz: ein fantastisches Halbfinale. Und ganz definitv der vorläufige Höhepunkt meiner Slammerkarriere.
Sieger unseres Halbfinals wurde dann letztendlich Lars Ruppel mit seinem geilen Brot-Text (hier eine ältere MP3 des Ganzen), der freudestrahlend auf die Bühne stürmte, uns Moderatoren herzte und dann mit seinen SMAAT-Jungs feierte. Und das sei hier auch erwähnt: Trotz ihres (beinahe) Heiligen-Status' in der Slamszene sind die vier von SMAAT auf dem Boden geblieben und sympathisch. Egal, ob Römer, Vetter, Sebastian23 oder eben Ruppel - einfach nette Jungs! Mit ins Finale zogen aus unserem Halbfinale der Graf, Felix Römer und Tobi Borke.

Deutschlands Poetry Slam-Boygroup Nummer 1: SMAAT (Foto: Tobi Mayer)
Bereits am Nachmittag im Rahmenprogramm in der Schrannenhalle konnte man zwei der ostwestfälischen Dichter bewundern. Marc Oliver Schuster eröffnete den Reigen beim "Prop-Slam". "Props" sind die sogenannten Hilfsmittel, die im offiziellen Wettbewerb und auch grundsätzlich bei Slams verboten sind (ie. alles außer das Manuskript, deine Klamotten und das Mikro ist ein Hilfsmittel). Diesen Slam nutzten die Auftretenden, um aus dem starren Slamkorsett zu brechen. Unser Schuster performte seinen Text "Sommer meines Lebens" und berührte einige. Hatte aber keine Chance gegen den späteren Champions Marc-Uwe Kling, der Songs aus seinem Liedermacherprogramm präsentierte.

Markus slammt meinen Hit "Magnetbandrequiem"! (Foto: Henrik Bollermann)
Danach versuchte sich Markus im "Cover-Slam". Hier durfte alles außer dem eigenen Text gelesen werden. Ich fühle mich sehr geehrt, dass er meinen Text "Magnetbandrequiem" auswählte. Er präsentierte ihn so perfekt, dass einige wissen wollten, von wem der Text ist. Hätte ich mal einige Exemplare meines Buches mitgenommen.
Der fünfte und (inoffizielle) letzte, verkaterte Tag, der Sonntag nach dem Finale, begann mit einem Ausklangs-Open Mic. Trotz völlig hinüberer Stimme nahm ich mit meiner Kurzgeschichte "Stirb, Zahnfee, stirb" daran teil, und erreichte hauptsächlich einige der älteren Herrschaften, die interessiert den jungen Poeten lauschten. Danach hieß es Abschied nehmen. Von den anderen Dichtern, von der Bühne, von München. Auf der Rückfahrt führte ich noch ein Telefon-Interview mit der freundlichen Dame von Radio Bielefeld, und fünf Stunden später waren wir zu Hause.

(Foto: Mischa Verollet)
Tja, und dann ist man zu Hause, erschöpft, glücklich, immer noch high, aber auch ein wenig traurig. Man schneidet sich das Bändchen ab, nimmt schweren Herzens das Slammer-Badge vom Hals und setzt sich aufs Sofa.
Und sieht dann erfreut Tobias Kunze und Markus Freise im Beitrag von Focus Online TV. Man liest sentimental im offiziellen Münchner Poetry Blog. Erinnert sich an die vielen und mannigfachen, unfassbaren Eindrücke und Erlebnisse der letzten Tage. An die Tränen. An die Triumphe. An die lieben Menschen, die einen vor Ort oder elektronisch supporteten (danke Sarah, danke Markus, Micha, Marc, Hen, Tolga, Matze, Karsten, Suleyman und alle anderen!). Man liest die unglaublich gute Berichterstattung von meinem Slam-Master (Moderator des Bielefelder Bunkerslams und damit mein Teamchef) hen in seinem Blog. Und schaut sich die Fotos an, denkt an den einen oder anderen Text und freut sich. Und weiß: Man wird nächstes Jahr wieder dabei sein. Koste es, was es wolle.
Und wie der Zufall es so will, läuft während ich diese Zeilen schreibe in einer VOX-Doku "One moment in time" von Whitney Houston im Fernsehen. Ich glaube, es gibt kein passenderes Lied, keinen passenderen Soundtrack für dieses Gefühl, dieses Gefühl, dass ich genau jetzt in eine kleine Schatulle ganz tief unten in mein Herz packe, vergrabe und dann und wann hoch holen werde. Danke, München!
Freunde, und nun zum Abschluss des Rückblicks auf Tag 4 und 5 (eine emotionale Aufarbeitung von Markus und mir folgt hier selbstverständlich noch, sowie viele weitere Fotos) verrat ich euch noch was:
Der amtierende deutsche Poetry Slam Meister Marc-Uwe Kling gastiert am 16. Dezember im Zweischlingen zu Bielefeld. Wer sich da nicht aufrafft und hingeht ist ein Vollidiot! Und das ist noch nicht alles: Am 26.4.2007 ist er beim Bielefelder Kabarettpreis in der Oetkerhalle! Ich werd verrückt...
Viele weitere Fotos vom Slam 2006 auf seiner Homepage!

Slam-Champ Marc-Uwe Kling, fotografiert von Sacha Storz
Und mit dem unglaublich coolen sympathischen jungen Mann aus Frankfurt / Oder hat der wohl durchgeknallteste und beste Slammer des Turniers gewonnen! Da bestand kein Zweifel, vielleicht kurz, als Felix Römer seinen bewegenden und sehr traurigen Text über seinen Großvater herausholte und die Zuschauer in den Kammerspielen zu Standing Ovations hinriss.

(Foto: Henrik Bollermann)
Aber dann kam Kling, skandierte seinen Text "Ich hol' mir einen Praktikanten", stellte alles bisher Dagewesene in den Schatten und das wunderschöne Theater schräg gegenüber vom Nationaltheater stand Kopf. Mit seinem Finaltext knackte er die 29 Punkte-Marke und war somit der Sieger des slam 2006, und ist automatisch für die nächsten Meisterschaften qualifiziert. Verdient und zugenäht!

(Foto: Henrik Bollermann)
Markus und mein persönlicher Tageshöhepunkt (und ich meine jetzt nicht das von uns gefeierte drei zu null der Blauen in Frankfurt) startete ein paar Stunden vorher im Literaturhaus München. Wir hatten die große Ehre, das dritte Halbfinale moderieren zu dürfen! Ich zitiere Hen: "Und was für ein Halbfinale das war – ganz große Namen und ganz große Texte, die unsere Bielefelder Jungs mit ihren Arminia-Trikots da souverän an- und absagten. Und das alles vor einer Kulisse, die zum einen Teil aus Slammern und zum anderen Teil aus gutsituierten und fein gemachten Großstadtintellektuellen jeden Alters bestand, die mal mit einem süffisanten Lächeln oder wohligem Schauern gucken wollten was „der Underground“ so hermacht."

Knapp 400 frenetische Zuschauer im Literaturhaus beim wohl heißesten Halbfinale des Slam 2006! (Foto: Henrik Bollermann)
Als wir uns die Aufstellung durchlasen, konnten wir es kaum fassen: Durch die Bank große Namen der Szene: Ex-Deutscher Meister Lasse Samström, Ex-Deutscher Meister Gabriel Vetter, die sensationellen SMAAT-Jungs Felix Römer und Lars Ruppel, der einzigartige Florian Graf H.H. von Hinten, der sehr emotionale Rapper Telhaim, und und und. Dazu ein Sacrifice von Wwalt Koslowsky - und mittendrin wir, die sich ob dieser großen Namen wie kleine Schuljungen freuten und verdammt nervös waren. Aber wir haben unsere Sache wohl ganz gut gemacht, wie die Slammerkollegen uns bescheinigten. Danke! Und keine leichte Sache, denn knapp 400 fanatische Slamfans und "Großstadtintellektuelle" muss man erstmal in den Griff bekommen. Ich habe jetzt noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie wir fußballstadionmäßig die Aufstellung vorlasen, und das gesamte Publikum die Nachnamen der Slammer schrie. Genial! Kurz: ein fantastisches Halbfinale. Und ganz definitv der vorläufige Höhepunkt meiner Slammerkarriere.
Sieger unseres Halbfinals wurde dann letztendlich Lars Ruppel mit seinem geilen Brot-Text (hier eine ältere MP3 des Ganzen), der freudestrahlend auf die Bühne stürmte, uns Moderatoren herzte und dann mit seinen SMAAT-Jungs feierte. Und das sei hier auch erwähnt: Trotz ihres (beinahe) Heiligen-Status' in der Slamszene sind die vier von SMAAT auf dem Boden geblieben und sympathisch. Egal, ob Römer, Vetter, Sebastian23 oder eben Ruppel - einfach nette Jungs! Mit ins Finale zogen aus unserem Halbfinale der Graf, Felix Römer und Tobi Borke.

Deutschlands Poetry Slam-Boygroup Nummer 1: SMAAT (Foto: Tobi Mayer)
Bereits am Nachmittag im Rahmenprogramm in der Schrannenhalle konnte man zwei der ostwestfälischen Dichter bewundern. Marc Oliver Schuster eröffnete den Reigen beim "Prop-Slam". "Props" sind die sogenannten Hilfsmittel, die im offiziellen Wettbewerb und auch grundsätzlich bei Slams verboten sind (ie. alles außer das Manuskript, deine Klamotten und das Mikro ist ein Hilfsmittel). Diesen Slam nutzten die Auftretenden, um aus dem starren Slamkorsett zu brechen. Unser Schuster performte seinen Text "Sommer meines Lebens" und berührte einige. Hatte aber keine Chance gegen den späteren Champions Marc-Uwe Kling, der Songs aus seinem Liedermacherprogramm präsentierte.

Markus slammt meinen Hit "Magnetbandrequiem"! (Foto: Henrik Bollermann)
Danach versuchte sich Markus im "Cover-Slam". Hier durfte alles außer dem eigenen Text gelesen werden. Ich fühle mich sehr geehrt, dass er meinen Text "Magnetbandrequiem" auswählte. Er präsentierte ihn so perfekt, dass einige wissen wollten, von wem der Text ist. Hätte ich mal einige Exemplare meines Buches mitgenommen.
Der fünfte und (inoffizielle) letzte, verkaterte Tag, der Sonntag nach dem Finale, begann mit einem Ausklangs-Open Mic. Trotz völlig hinüberer Stimme nahm ich mit meiner Kurzgeschichte "Stirb, Zahnfee, stirb" daran teil, und erreichte hauptsächlich einige der älteren Herrschaften, die interessiert den jungen Poeten lauschten. Danach hieß es Abschied nehmen. Von den anderen Dichtern, von der Bühne, von München. Auf der Rückfahrt führte ich noch ein Telefon-Interview mit der freundlichen Dame von Radio Bielefeld, und fünf Stunden später waren wir zu Hause.

(Foto: Mischa Verollet)
Tja, und dann ist man zu Hause, erschöpft, glücklich, immer noch high, aber auch ein wenig traurig. Man schneidet sich das Bändchen ab, nimmt schweren Herzens das Slammer-Badge vom Hals und setzt sich aufs Sofa.
Und sieht dann erfreut Tobias Kunze und Markus Freise im Beitrag von Focus Online TV. Man liest sentimental im offiziellen Münchner Poetry Blog. Erinnert sich an die vielen und mannigfachen, unfassbaren Eindrücke und Erlebnisse der letzten Tage. An die Tränen. An die Triumphe. An die lieben Menschen, die einen vor Ort oder elektronisch supporteten (danke Sarah, danke Markus, Micha, Marc, Hen, Tolga, Matze, Karsten, Suleyman und alle anderen!). Man liest die unglaublich gute Berichterstattung von meinem Slam-Master (Moderator des Bielefelder Bunkerslams und damit mein Teamchef) hen in seinem Blog. Und schaut sich die Fotos an, denkt an den einen oder anderen Text und freut sich. Und weiß: Man wird nächstes Jahr wieder dabei sein. Koste es, was es wolle.
Und wie der Zufall es so will, läuft während ich diese Zeilen schreibe in einer VOX-Doku "One moment in time" von Whitney Houston im Fernsehen. Ich glaube, es gibt kein passenderes Lied, keinen passenderen Soundtrack für dieses Gefühl, dieses Gefühl, dass ich genau jetzt in eine kleine Schatulle ganz tief unten in mein Herz packe, vergrabe und dann und wann hoch holen werde. Danke, München!
Freunde, und nun zum Abschluss des Rückblicks auf Tag 4 und 5 (eine emotionale Aufarbeitung von Markus und mir folgt hier selbstverständlich noch, sowie viele weitere Fotos) verrat ich euch noch was:
Der amtierende deutsche Poetry Slam Meister Marc-Uwe Kling gastiert am 16. Dezember im Zweischlingen zu Bielefeld. Wer sich da nicht aufrafft und hingeht ist ein Vollidiot! Und das ist noch nicht alles: Am 26.4.2007 ist er beim Bielefelder Kabarettpreis in der Oetkerhalle! Ich werd verrückt...
Viele weitere Fotos vom Slam 2006 auf seiner Homepage!
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