Nachlese zum Poetry Slam 18.10.
Verfasst von Rouven am 19. Okt, 15:31
Was für ein Saison-Auftakt. 
Der Poetry Slam im Bunker Ulmenwall hatte nach dreimonatiger Pause wirklich viel zu bieten und Texte jeglicher Couleur waren vorhanden. Insgesamt fanden sich 13 (!!!) Lesewillige ein, was als Anzeichen dafür genommen werden kann, dass der Slam nach fünfjährigem Bestehen mehr als ein festverankerter Bestandteil im kulturellen Leben Bielefelds ist, zumal es sich um eine der (wenn nicht sogar DIE) bestbesuchten Veranstaltungen des Bunkers handelt.
Aufgrund der hohen Bereitschaft erweiterten die Moderatoren dann auch das Starterfeld auf 10 Plätze und gaben das obligatorische „Sacrifice Poem“, den Starttext zum Warmhören, ab.
Zwei Autoren waren bereits gesetzt, und zwar Markus Freise und Mischael S. Verollét, die die Chance hier nutzen wollten, sich auf ihre Teilnahme am National Slam, wo sie Bielefeld im November vertreten werden, vorzubereiten.
Im neu renovierten Bunker („Sieht ja aus, als wär der jetzt von der BGW.“ frei nach Mischa) führte uns Johanne in den Abend ein. In einem anrührenden Text knüpfte sie Assoziationen vom Sonnenlicht und dem Gefühl von Kieselsteinen in der Hand zum Verlust einer lieben Freundin. Melancholisch, elegisch, poetisch elaboriert zeigte sie uns damit, dass es auch anders geht, als immer nur die Lachmuskeln zu bedienen und gab damit – persönlich empfunden – einen der besten Texte des Abends gleich zu Beginn zum Besten.
Lampe serviert uns gleich darauf die Gedanken eines Philosophen, die gelegentlich bis an die Sterne reichen können. Dass man schnell darüber hinaus das Date vor Augen auf der Erde verpatzen kann, zeigt er uns mit beispielhaften Sätzen, in denen er seine Kreativität im Umgang mit Alliterationsgewittern und Wortkaskaden unter Beweis stellt. Der Mann hat Potential. Marc-Oliver Schuster führte den jetzt schon emotional geladenen Abend fort, indem er von der Schmach durch den Einsatz von Google beim Übersetzen eines Liebesbriefes erzählte (wobei es leider einige Tonprobleme gab). Im Anschluss daran sinnierte der diesjährige Bielefelder Slam-Champion Markus Freise über die Bedingungen des Idolstatus und wann man z.B. der Tochter gegenüber die Grenze zwischen Idol und Idiot überschreitet.
Darauf reflektierte Micha-El Goehre über das Aussehen von „Yum-Yum“-Nudelsuppen und verglich in alter Goehre-Manier deren Serviervorschlag mit dem Ergebnis eines gedachten Unglücks eines Martin L. aus B. Nachdem sich hierauf das Befinden der Publikumsmägen wieder ein wenig beruhigt hatte, gab Stefanie Kuhn ihr Debut, womit seit langer Zeit bereits zwei Frauen die Slam-Bühne an einem Termin betreten hatten. Ihr Text „Vorgetäuscht“ über den moralischen Werdegang ihrer Protagonistin Sophie und ihr Zweifel am Modebewusstsein im Alter („Erwachsensein?“ Gibt’s das eigentlich noch?“) wurde auch entsprechend vom Publikum honoriert und im Applausstechen gegen Herrn Freise entschied sie diese Runde dann für sich.
Die zweite Runde eröffnete ein gewisser Rouven mit seinem Versuch, sich auszumalen, was passieren könnte, wenn einem ein unverschuldeter Rufmord droht. Ihm folgte der Glasiator mit mehreren Preziosen wie der Zeitreise zu den Ahnen, einem kleinen Poem über Lock(ung)en und dem Heimwerker-Rap ("Yeah!“).
Darauf geschieht etwas, was immer wieder von Neuem erstaunlich ist: Kollege Verollét betritt die Bühne und hat eigentlich schon jetzt gewonnen. Der Symphatieträger Nr. 1 des Slams erzeugt von Anfang an Lächeln auf den Gesichtern und erstürmt die Herzen. Sein Text über sexuell übertragene Krankheiten im Florabereich und den ansteckenden Rostpilz tut sein Übriges („Es ist nicht der Pilz, der böse ist, sondern die Tat!“).
Ariane hat es danach schwer, sich zu behaupten, obwohl die Erzählung über die gesellschaftlichen und politischen Missstände in der Tükei, geschrieben aus der Sicht eines Straßenfegers, es würdig wäre, mehr Beachtung zu bekommen. Leider konnte sie den Text wegen der harten 8-Minutengrenze nicht zuende bringen.
Picnic beschließt die Runde (als 4. (!!!) Frau des Abends) mit geäußerten Zweifeln an der Vernunft der Eltern, die ihr während einer Autofahrt in den Urlaub aufkamen.
Beinahe ist es überflüssig zu erwähnen, dass Mischa Verollét die Runde erfolgreich verließ.
Im Finale macht es Stefanie mit ihrer Liste der Gründe, mit denen Männer eine Beziehung beenden, dem Kollegen Mischa schwer, doch der geht verdient mit seinem Text "Stirb, Zahnfee, stirb" als Sieger daraus hervor.

Aber es hat insgesamt wieder einmal einen Riesenspaß gemacht. Endlich geht’s wieder los. Mann, hat mir das gefehlt ;-)
P.S.: Weitere visuelle Eindrücke liefert der Glasiator hier

Der Poetry Slam im Bunker Ulmenwall hatte nach dreimonatiger Pause wirklich viel zu bieten und Texte jeglicher Couleur waren vorhanden. Insgesamt fanden sich 13 (!!!) Lesewillige ein, was als Anzeichen dafür genommen werden kann, dass der Slam nach fünfjährigem Bestehen mehr als ein festverankerter Bestandteil im kulturellen Leben Bielefelds ist, zumal es sich um eine der (wenn nicht sogar DIE) bestbesuchten Veranstaltungen des Bunkers handelt.
Aufgrund der hohen Bereitschaft erweiterten die Moderatoren dann auch das Starterfeld auf 10 Plätze und gaben das obligatorische „Sacrifice Poem“, den Starttext zum Warmhören, ab.
Zwei Autoren waren bereits gesetzt, und zwar Markus Freise und Mischael S. Verollét, die die Chance hier nutzen wollten, sich auf ihre Teilnahme am National Slam, wo sie Bielefeld im November vertreten werden, vorzubereiten.
Im neu renovierten Bunker („Sieht ja aus, als wär der jetzt von der BGW.“ frei nach Mischa) führte uns Johanne in den Abend ein. In einem anrührenden Text knüpfte sie Assoziationen vom Sonnenlicht und dem Gefühl von Kieselsteinen in der Hand zum Verlust einer lieben Freundin. Melancholisch, elegisch, poetisch elaboriert zeigte sie uns damit, dass es auch anders geht, als immer nur die Lachmuskeln zu bedienen und gab damit – persönlich empfunden – einen der besten Texte des Abends gleich zu Beginn zum Besten.Lampe serviert uns gleich darauf die Gedanken eines Philosophen, die gelegentlich bis an die Sterne reichen können. Dass man schnell darüber hinaus das Date vor Augen auf der Erde verpatzen kann, zeigt er uns mit beispielhaften Sätzen, in denen er seine Kreativität im Umgang mit Alliterationsgewittern und Wortkaskaden unter Beweis stellt. Der Mann hat Potential. Marc-Oliver Schuster führte den jetzt schon emotional geladenen Abend fort, indem er von der Schmach durch den Einsatz von Google beim Übersetzen eines Liebesbriefes erzählte (wobei es leider einige Tonprobleme gab). Im Anschluss daran sinnierte der diesjährige Bielefelder Slam-Champion Markus Freise über die Bedingungen des Idolstatus und wann man z.B. der Tochter gegenüber die Grenze zwischen Idol und Idiot überschreitet.
Darauf reflektierte Micha-El Goehre über das Aussehen von „Yum-Yum“-Nudelsuppen und verglich in alter Goehre-Manier deren Serviervorschlag mit dem Ergebnis eines gedachten Unglücks eines Martin L. aus B. Nachdem sich hierauf das Befinden der Publikumsmägen wieder ein wenig beruhigt hatte, gab Stefanie Kuhn ihr Debut, womit seit langer Zeit bereits zwei Frauen die Slam-Bühne an einem Termin betreten hatten. Ihr Text „Vorgetäuscht“ über den moralischen Werdegang ihrer Protagonistin Sophie und ihr Zweifel am Modebewusstsein im Alter („Erwachsensein?“ Gibt’s das eigentlich noch?“) wurde auch entsprechend vom Publikum honoriert und im Applausstechen gegen Herrn Freise entschied sie diese Runde dann für sich.
Die zweite Runde eröffnete ein gewisser Rouven mit seinem Versuch, sich auszumalen, was passieren könnte, wenn einem ein unverschuldeter Rufmord droht. Ihm folgte der Glasiator mit mehreren Preziosen wie der Zeitreise zu den Ahnen, einem kleinen Poem über Lock(ung)en und dem Heimwerker-Rap ("Yeah!“).
Darauf geschieht etwas, was immer wieder von Neuem erstaunlich ist: Kollege Verollét betritt die Bühne und hat eigentlich schon jetzt gewonnen. Der Symphatieträger Nr. 1 des Slams erzeugt von Anfang an Lächeln auf den Gesichtern und erstürmt die Herzen. Sein Text über sexuell übertragene Krankheiten im Florabereich und den ansteckenden Rostpilz tut sein Übriges („Es ist nicht der Pilz, der böse ist, sondern die Tat!“).
Ariane hat es danach schwer, sich zu behaupten, obwohl die Erzählung über die gesellschaftlichen und politischen Missstände in der Tükei, geschrieben aus der Sicht eines Straßenfegers, es würdig wäre, mehr Beachtung zu bekommen. Leider konnte sie den Text wegen der harten 8-Minutengrenze nicht zuende bringen.
Picnic beschließt die Runde (als 4. (!!!) Frau des Abends) mit geäußerten Zweifeln an der Vernunft der Eltern, die ihr während einer Autofahrt in den Urlaub aufkamen.
Beinahe ist es überflüssig zu erwähnen, dass Mischa Verollét die Runde erfolgreich verließ.
Im Finale macht es Stefanie mit ihrer Liste der Gründe, mit denen Männer eine Beziehung beenden, dem Kollegen Mischa schwer, doch der geht verdient mit seinem Text "Stirb, Zahnfee, stirb" als Sieger daraus hervor.

P.S.: Weitere visuelle Eindrücke liefert der Glasiator hier
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