Donnerstag, 5. Oktober 2006

Bauhaus - nur noch bis Sonntag


Ginge es nach den Naturalisten (der radikalen Variante der der Realisten) dann müsse die Kunst sich der Natur stark annähern, oder, wie Arno Holz es einmal mit seiner Formel „Kunst = Natur – X“ darstellen wollte: Das X müsse so gering wie möglich ausfallen, um die Wirklichkeit annähernd exakt abzubilden.
Was diesen Unbekannten X dabei im besonderen ausmacht, mag uns hier nicht interessieren, denn seien wir ehrlich: Wären die Resultate, wenn sich alle Künstler danach richteten, nicht sterbenslangweilig? Richtig.
Ob Expressionalismus, Surrealismus, Kubismus, bereits in der Folge möchte man meinen, die Kunstobjekte beinhalten eher die Formel „Kunst = Natur + X“, als hätte die Künstler der Realität noch etwas hinzugefügt, und sei es ihre eigene Sicht der Dinge. Besonders spannend gestalten sich gerade die Stile, die die Kunsthaftigkeit ihrer Objekte selbst thematisieren, geradzu offensichtlich machen. Eine Vorreiterrolle nimmt in dieser Hinsicht mit Sicherheit die Schule des Bauhaus ein, das 1919 in Weimar gegründet wurde, und dessen Vertreter nach Stationen in Dessau und Berlin 1933 aufgrund ihrer „entarteten“, nicht natürlichen Kunst endgültig emigrieren mussten.

Ursprünglich mit der Idee der Architektur als Gesamtkunstwerk gegründet (s. Manifest), entwickelte sich die Schule schnell zu einem Innovationsmotor für sämtliche Bereiche, insbesondere dem des Designs.

Wer noch die letzten verbleibenden Tage der Ausstellung in der Bielefelder Kunsthalle nutzen möchte, bekommt einen Einblick in die Arbeiten zweier Vertreter des Bauhauses, namentlich Josef Albers und László Moholy-Nagy. Schnell wird man erkennen, dass viele der Stile heute immer noch in Werbung, Architektur, sogar Schriftbildern auftauchen.

Albers, seinerzeit Formmeister der Glasmalerei im Bauhaus, arbeitete akribisch an Studien, bevor er seine Werke umsetzte. Dies verdeutlichen viele Skizzen und Notizen auf Millimeterpapier, z.B. zum Werk „3 und 6“ ( kein Bild im I-Net habhaft).
Leider wirken fotografische Darstellungen wie das nebenstehende Objekt nicht sehr gut, da es sich um eine Vinylgravur handelt. Der Lichtreflex auf dem glänzenden Schwarz, ebenso der durch Sandtrahl bewirkte Mattheit an anderen Stellen bewirken ihr Übriges zu manchen optischen Täuschungen, wegen derer Albers auch als einer der Mitbegründer der Op-Art gilt.

Mit Licht und Farben experimentiert auch László Moholy-Nagy, wenn auch weniger das Gewicht auf der Form liegt. Auf seinen gemalten „Kompositionen“ spielen die Verhältnisse zwischen idealen Formen noch eine Rolle, treten aber später eher in den Hintergrund, da er sich den Dokumentationsmöglichkeiten von Licht widmet. So ist er einer der ersten, der das Fotopapier selbst belichtet, ohne dabei Objekte in den Fokus zu nehmen (sogenannte Photogramme).
In anderen Arbeiten benutzt er abgelichtete Dinge und stellt sie in Kollagen in andere, gezeichnete Kontexte.
Zentral ist Moholy-Nagys „Licht-Raum-Modulator“, einer Art motorisiertem Mobilé, mit dessen Hilfe Licht- und Bewegungserscheinungen demonstriert werden.

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